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Outsourcing der Softwarewartung

Karl Kurbel (unter Mitarbeit von Rastsislau Datsenka)

Outsourcing der Softwarewartung besagt, dass eine Einrichtung (z.B. Unternehmen) eine andere Einrichtung (z.B. Softwarefirma) dauerhaft mit der Wartung eines Softwaresystems beauftragt. Dies kann neben der Fehlerbehebung auch andere Maßnahmen (zur Funktionserhaltung, Performanceverbesserung, Anpassung der Schnittstellen zu anderen Softwaresystemen u.a.) einschließen.

Definition und Motive

Unter dem Begriff Wartung (von Software) werden alle Tätigkeiten zusammengefasst, die nach der Einführung eines Softwaresystems dessen Verfügbarkeit und Nutzbarkeit sicherstellen oder die Lebensdauer der Software verlängern [Judenberg 1994, S. 34]. Neben der Fehlerbehebung werden auch Maßnahmen zur Funktionserhaltung, Funktionserweiterung, Perfektionierung (z.B. Performanceverbesserung) und Anpassung der Schnittstellen zu anderen Softwaresystemen zur Wartung gerechnet.

Die Grenzen zwischen Wartung im engeren Sinne und Funktionserweiterungen bzw. -änderungen sind fließend. In manchen Branchen, z.B. in der Bankwirtschaft, versteht man unter Wartung auch die Anpassung der Software an neue gesetzliche Regelungen und Bestimmungen, denen die Bank genügen muss [vgl. Daser 2009, S. 107].

Outsourcing der Wartung bedeutet, dass die Einrichtung, die das Softwaresystem betreibt oder der es gehört (z.B. ein Unternehmen, öffentliche Verwaltung), eine andere Einrichtung (z.B. eine Softwarefirma) dauerhaft mit der Durchführung der genannten Maßnahmen beauftragt. Gründe für die Auslagerung sind häufig in Kapazitäts- oder Ressourcenproblemen beim Auftraggeber zu sehen, aber auch darin, dass Wartung unter Softwareentwicklern eine eher ungeliebte Tätigkeit ist, die man gern anderen überlässt.

Als wesentliche Vorteile beim Outsourcing der Wartung sind zu nennen, dass spezialisierte Wartungsfirmen einschlägige Kompetenz und Expertise aufgebaut haben. Darüber hinaus verfügen sie über die methodischen und technologischen Instrumente (z.B. Prüfprogramme, Testwerkzeuge, erprobte Methoden der Fehlerbehandlung), die ihnen eine effektive Wartung von Software erlauben.

Wird die Wartung auf dem Wege des Offshoring an einen Dienstleister in einem Niedriglohnland ausgelagert, kommen Kostenvorteile hinzu [Kurbel 2008, S. 48 ff.]. Beispielsweise gibt es in Indien und anderen Offshoring-Standorten zahlreiche Firmen, deren Hauptumsatz aus Wartungsarbeiten für Kunden in Industrieländern generiert wird.

Wartung von Individualsoftware

Die eingangs genannten Aufgaben der Wartung sind überwiegend aus der Perspektive der Individualsoftware zu sehen. Die Verantwortung für die Lösung der Aufgaben liegt beim Eigentümer der Software, d.h. in der Regel beim Anwenderunternehmen.

Das Anwenderunternehmen teilt dem Auftragnehmer Mängel der Software mit, indem es zum Beispiel Fehlerprotokolle oder andere Verlaufsdokumente übergibt. Der Auftragnehmer, der häufig eine eigene Testinstallation des Softwaresystems betreibt und/oder Zugang zum Produktivsystem des Auftraggebers hat, behebt die Fehler, testet die Funktionsfähigkeit und dokumentiert die Ergebnisse. Der Auftraggeber nimmt schließlich die Fehlerbehebung, d.h. die verbesserte Software, ab.

Wenn der Dienstleister nicht nur die Wartung, sondern auch den Betrieb des Anwendungssystems übernommen hat (Outsourcing des Systembetriebs), kann er selbst Überwachungsmaßnahmen und Performancemessungen durchführen und geeignete Wartungsschritte einleiten.

Wartung von Standardsoftware

Anders als bei Individualsoftware ist für die Wartung von Standardsoftware der Hersteller der Standardsoftware verantwortlich. Dieser wird Mängel der Software naturgemäß nicht nur in der Installation des einen Kunden, der den Mangel meldet, sondern in der "Standard"-Version des Systems beseitigen. Seine anderen Kunden profitieren dann davon, wenn sie die nächste Version des Systems ("Release", "Upgrade" o.ä.) erhalten.

Individuelle Erweiterungen der Standardsoftware ebenso wie darin enthaltene Mängel werden auf dem Wege des Customizing (Anpassung der Standardsoftware an kundenindividuelle Anforderungen) behandelt. Das heißt, die aus der Anpassung folgenden Mängel werden ebenfalls kundenindividuell behoben.

Literatur

Daser, Bettina: Mensch oder Kostenfaktor?: Über die Haltbarkeit psychologischer Verträge im Outsourcing-Prozess. Wiesbaden: VS-Verlag 2009.

Judenberg, Joseph: Applications Maintenance Outsourcing: An Alternative to Total Outsourcing. In: Information Systems Management, 11 (1994), Nr. 4, S. 34-38.

Kurbel, Karl Eugen: The Making of Information Systems: Software Engineering and Management in a Globalized World. Berlin: Springer 2008.

 

Autoren


 

Prof. Dr. Karl Kurbel, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Große Scharrnstr. 59, 15230 Frankfurt (Oder)

Autoreninfo


 

Rastsislau Datsenka, M.Sc., wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Prof. Dr. Karl Kurbel, Europa-Universität Viadrina

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Zuletzt bearbeitet: 12.12.2016 13:45
Letzter Abruf: 23.11.2017 19:46
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