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E-Learning

„E-Learning kann begriffen werden als Lernen, das mit Informations- und Kommunikationstechnologien (Basis- und Lerntechnologien) respektive mit darauf aufbauenden (E-Learning-)Systemen unterstützt, bezw. ermöglicht wird (...)“. [Back, Bendel, Stoller-Schai 2001, S. 28].

E-Learning und das Lernhaus

Das ‚E’ von E-Learning steht für ‚electronic’ und ist im Zuge anderer ‚E’-Begriffe wie E-Business, E-Commerce, E-Banking entstanden. Viele andere Begriffe werden synonym verwendet wie „technology enhanced Learning“, Web based Learning oder seit ca. 2011 auch „Digital Learning“ (im Zusammenhang mit dem Begriff ‚Digitale Transformation’). Der Begriff befindet sich in einem kontinuierlichen Wandel und ist begrifflichen Moden unterworfen. Mit dem Ausschwingen der Partnerbegriffe wie E-Commerce, E-Business und E-Banking wird auch der Begriff E-Learning durch andere – wie aktuell der Begriff Digital Learning – abgelöst werden.

Weitere Erläuterungen zum Begriff E-Learning im deutschsprachigen Raum finden sich bei: Kerres [2001; 2012], Bruns und Gajewski [2013], Ebner und Schön [2013], Dittler [2011] und Arnold et al. [2015] und laufend auf den aktuellen Stand gebracht im „Handbuch E-Learning“ [Hohenstein, Wilbers 2002 ff.].

Die Auseinandersetzung mit E-Learning findet auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Formen statt. Das „Lernhaus“ [Stoller-Schai 2015] (Abb. 1.) bildet diese Ebenen und Formen ab und fasst alle wesentlichen Aspekte von E-Learning zusammen.

Lernhaus

Abb. 1: Das Lernhaus [Stoller-Schai 2015]

Lernvision/ -strategien

Auf der strategischen Ebene geht es darum, eine E-Learning-Strategie zu entwickeln, die sich an der Unternehmensstrategie orientiert und mit der Personalentwicklungsstrategie (Mitarbeitende-Ausbildung), der Marketing- und Produktestrategie (Kundenausbildung) und der Technologiestrategie verbunden ist. Übergeordnet gibt die Lernvision des Unternehmens den Bezugsrahmen für die Gestaltung aller Lernprozesse an.

Lernformen

E-Learning manifestiert sich in verschiedenen Lernformen. Zusammengefasst können diese auf vier Ebenen verortet werden: 

  • die selbstgesteuerten Lernformen umfassen asynchrones E-Learning, wie z. Bsp. Webbasierte Lernmodule (Web Based Training; WBT),
  • die kollaborativen Lernformen umfassen synchrones E-Learning, wie z. Bsp. virtuelle Klassenzimmer und Chatsysteme, die sozialen Lernformen umfassend beziehungsorientiertes E-Learning, wie z. Bsp. der Austausch in Foren, in Lerngemeinschaften (Learning Communities) und auf Social Business Plattformen, 
  • die überprüfenden Lernformen umfassend testbasiertes E-Learning, wie z. Bsp. E-Tests, Assessments, aber auch Gamification-Formate und Simulationen.

Kompetenzen

E-Learning bedingt viele neue Kompetenzen für alle Anspruchsgruppen (Stakeholders): 

  • Manager müssen E-Learning-Strategien entwickeln, 
  • Mitarbeitende müssen mit verschiedenen Lernformen vertraut werden,
  • Trainer und Trainerinnen müssen diese gestalten, umsetzen und begleiten, 
  • Instructional- und Multimedia-Designer müssen mediendidaktische Kenntnisse erwerben,
  • Programmierer müssen sich mit E-Learning-Standards, Schnittstellen und Interaktionsdesign befassen. 

Technologiesysteme/ -plattformen

E-Learning-Systeme basieren einerseits auf Basistechnologien wie Netzwerken, Netzwerkprotokollen, Webbrowsern und Medien und Ausgabegeräten wie Bildschirmen, Lautsprechern, Sensoren etc. 
Andererseits werden für die Gestaltung von E-Learning-Anwendungen Lerntechnologien benötigt:

  • Autorenwerkzeuge zum Erstellen von Lernmedien, 
  • Learning-Management-Systeme zur Bewirtschaftung von Lernmedien und Lernenden, 
  • Testsysteme für die Messung und Bewertung von Lernaktivitäten,
  • Reportingsysteme zur Aufbereitung und Darstellung von Lerndaten.

E-Learning und Wirtschaftsinformatik

Die Wirtschaftsinformatik umfasst die Gestaltung von Geschäftsprozessen mit Unterstützung von Informations- und Kommunikationstechnologien. Lernprozesse und Wissensprozesse gehören auch dazu. Die Wirtschaftsinformatik befasst sich also in Bezug auf E-Learning mit der Frage: 

Wie müssen Lern- und Wissensprozesse gestaltet, erstellt, implementiert und betrieben werden, damit ein Unternehmen langfristig erfolgreich bleibt? 

Im Rahmen der Digitalen Transformation von Unternehmen wird E-Learning – oder nun aktueller – Digitales Lernen – eine zentrale Rolle spielen. Digitale Lernangebote werden in Zukunft wettbewerbsentscheidende Bestandteile in Produkten und Dienstleistungen von Unternehmen sein. Die Digitale Transformation führt zum digitalen Mitarbeitenden und zum digitalen Kunden. Es liegt auf der Hand, dass die Lernformen für diese Zielgruppen ebenfalls digital sein müssen.

Ausblick

E-Learning befindet sich in einer permanenten Weiterentwicklung. Seit den ersten Lernprogrammen in den 1950er Jahren (siehe [Allen 2008]) hat insbesondere die Entwicklung des Word Wide Web und die Verbesserung der Rechenleistung und der Bandbreiten neue Möglichkeiten eröffnet. Augmented Reality, Virtual Reality, Learning Bots, Recommendation Engines und die automatisierte Erstellung oder Zusammenstellung von kuratierten Lerninhalten ermöglichen neue Formen des digitalen Lernens. Damit wir ein personalisiertes Lernen möglich, das die Kompetenzen eines Lernenden mit den Kompetenzprofilen einer Arbeitsstelle oder eines Projektes abgleicht und einen personalisierten, adaptiven Lernpfad mit den entsprechenden Lerninhalten zusammenstellt und diesen Prozess laufend durch Begleitmaßnahmen (Reminder-Mails, Push-Notifications etc.) unterstützt und anpasst.

Literatur

Allen, Michael W.: Michael Allen's 2008 E-Learning Annual. J-B Pfeiffer Annual Looseleaf, Vol.1, Pfeiffer, San Francisco 2008.

Arnold, Patricia; Kilian; Lars; Thillosen, Anne; Zimmer, Gerhard: Handbuch E-Learning – Lehren und Lernen mit digitalen Medien. 4. Auflage. Bertelsmann, Gütersloh 2015.

Back, Andrea; Bendel, Oliver; Stoller-Schai, Daniel: E-Learning im Unternehmen: Grundlagen – Strategien – Methoden – Technologien. Orell-Füssli, Zürich 2001.

Bruns, Beate; Gajewski, Petra: Multimediales Lernen im Netz: Leitfaden für Entscheider und Planer. 3. Auflage. Springer, Berlin 2013.

Dittler, Ullrich (Hrsg.): E-Learning: Einsatzkonzepte und Erfolgsfaktoren des Lernens mit interaktiven Medien. 3.Auflage. De Gruyter, Oldenbourg 2011.

Ebner, Martin; Schön, Sandra: L3T - Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologie. (E-Book) Bad Reichenhall 2013.

Hohenstein, Andreas; Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning, Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis. Fachverlang Deutscher Wirtschaftsdienst, Köln 2002 ff.

Kerres, Michael: Mediendidaktik: Konzeption und Entwicklung mediengestützter Lernangebote. 3., vollständig überarbeitete Neuauflage. De Gruyter, Oldenbourg 2012.

Kerres, Michael: Multimediale und telemediale Lernumgebungen. Konzeption und Entwicklung. 2. Auflage. De Gruyter, Oldenbourg 2001.

Stoller-Schai, Daniel: Lernarchitekturen für moderne Lern- und Arbeitsprozesse. In: HMD – Praxis der Wirtschaftsinformatik, Nr. 301, Schwerpunktthema 'eLearning', Februar 2015, Nummer 1, S. 21-32.

 

Autor


 

Dr. Daniel Stoller-Schai, Head Sales & Marketing, Digital Learning Specialist, CREALOGIX AG, Digital Learning, Baslerstrasse 60, Postfach 8048, Zürich, Switzerland

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Zuletzt bearbeitet: 08.12.2016 13:54
Letzter Abruf: 26.04.2017 15:48
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