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Hochschul-Ranking

Als Orientierungshilfe für Schüler, Studieninteressierte und Hochschulangehörige stellen Hochschulrankings eine wichtige Informationsquelle dar. Rankings unterscheiden sich jedoch erheblich in ihrer Aussagekraft und dem methodischen Vorgehen. Insbesondere im Hinblick auf die zunehmende Bedeutung internationaler Rankings ist die Entwicklung methodischer Standards unabdingbar.

Zielsetzungen von Hochschulrankings

Hochschulrankings zielen auf die Schaffung von Transparenz hinsichtlich der Leistungen der Hochschulen und des Hochschulsystems. Sie sollen „wettbewerblich organisierte Systeme durch die Erhöhung der Transparenz effektiver machen" [Wissenschaftsrat 2004, S. 3].

Als ein System von Kennziffern, das eine definierte Grundgesamtheit von Organisationen möglichst flächendeckend beschreiben soll, richten sich Rankings primär an Zielgruppen außerhalb der bewerteten Institutionen.

Ranking-Methodik

Die Rankings zugrunde liegenden Methoden unterscheiden sich zum Teil beträchtlich hinsichtlich des Untersuchungsgegenstandes und der eingesetzten Verfahren. Im Folgenden werden die unterschiedlichen Ansätze aufgezeigt und aus Sicht des Verfassers bewertet.

Untersuchungsgegenstände von Rankings

Hochschulrankings können sowohl ganze Hochschulen ohne Differenzierung nach Fächern im Blickpunkt haben oder Aussagen über die gesamte Hochschule mit Ergebnissen einzelner Fächer kombinieren (z.B. das international ausgerichtete „Academic Ranking of World Universities“ [http://www.shanghairanking.com]). Daneben gibt es den Ansatz ausschließlich fachbezogener Rankings (z.B. das CHE Ranking [http://www.das-ranking.de]). Sie entsprechen dem differenzierten Informationsbedürfnis der Nutzer, unterschiedliche Leistungsprofile einzelner Fächer bleiben sichtbar. Der Wissenschaftsrat hat sich in seinen Ranking-Empfehlungen tendenziell für fachbezogene Rankings ausgesprochen [Wissenschaftsrat 2004, S. 36].

Gesamtwerte vs. Einzelwerte

Zahlreiche Rankings weisen im Ergebnis einen Gesamtwert entweder für die Hochschule oder das Fach insgesamt aus, was dazu führt, dass Unterschiede in den verschiedenen untersuchten Merkmalen verloren gehen. Aus diesem Grund stellen einzelne Rankings, wie beispielsweise das internationale U-Multirank, die einzelnen Indikatoren in einem multidimensionalen Vergleich gleichwertig nebeneinander. Die spezifischen Profile der Fachbereiche bleiben sichtbar, eine Gewichtung der Merkmale den persönlichen Präferenzen des Nutzers überlassen.

Rangplätze vs. Ranggruppen

Die Mehrzahl der Rankings weist den Ergebnissen auf einer ordinalen Skala einzelne Rangplätze zu. Dieses Verfahren birgt allerdings die Gefahr in sich, dass kleine Unterschiede im Zahlenwert eines Indikators, die auch auf Datenungenauigkeiten beruhen können, zu Unterschieden von mehreren Rangplätzen führen und als Qualitätsunterschiede fehlinterpretiert werden. Nur wenige Rankings wählen eine andere Darstellung und ordnen die Ergebnisse in Ranggruppen ein (z.B. Spitzen-, Mittel- und Schlussgruppe, siehe die Vorgehensweise im CHE Ranking: http://www.cheranking.de/methodenwiki).

Zugrunde liegende Datenquellen

Ein Ranking bietet ein umfassendes Bild über Forschung und Lehre, wenn Informationen aus unterschiedlichen Perspektiven berücksichtigt werden. Potenzielle Datenquellen sind flächendeckend vergleichbare Fakten beispielsweise über Drittmittel sowie subjektive Bewertungen durch Studierende, Absolventen, Hochschulangehörige oder Arbeitgeber.

Thematischer Fokus

Untersuchungsgegenstand können ausschließlich Forschungsleistungen sein (z. B. der DFG-Förderatlas [Deutsche Forschungsgemeinschaft 2015]), oder es steht die Lehre im Untersuchungsmittelpunkt. Andere Rankings beziehen über Forschung und Lehre hinaus Merkmale wie Reputation, Ausstattung oder Beschäftigungsbefähigung in die Untersuchung ein (z.B. das CHE Ranking).

Qualität von Rankings

Die verschiedenen Vorgehensweisen führen zu unterschiedlicher Aussagekraft von Rankings. Von der International Ranking Expert Group (IREG) wurden daher die „Berlin Principles on Ranking of Higher Education Institutions“ entwickelt, in denen Mindestanforderungen für die Qualität von Hochschulrankings festgeschrieben sind. In einem von der Europäischen Union initiierten Projekt (U-Multirank) wurde ein Konzept für ein multidimensionales globales Hochschulranking entwickelt, das die Schwächen der existierenden weltweiten Rankings vermeidet und auch die unterschiedlichen nationalen Strukturen und Kulturen im Hochschulsektor berücksichtigt. Es beruht auf einer Analyse der Effekte sowie Stärken und Schwächen existierender Ranking-Systeme. Das Ranking wird seit 2014 veröffentlicht, weltweit beteiligen sich 2016 daran 800 Hochschulen [http://www.u-multirank.eu].

Literatur

Institute of Higher Education, Shanghai Jiao Tong University: Academic Ranking of World Universities (2016). http://www.shanghairanking.com (Abruf 21.08.2013)

Centrum für Hochschulentwicklung: Zur Methodik des CHE-Ranking (2016); http://www.che-ranking.de/methodenwiki (Abruf 25.10.2016)

Deutsche Forschungsgemeinschaft: Förderatlas 2015 - Kennzahlen zur öffentlich finanzierten Forschung in Deutschland (2015). http://www.dfg.de/foerderatlas/ (Abruf 26.10.2016)

International Observatory on Academic Ranking and Excellence: Berlin Principles on Ranking of Higher Education Institutions 2006). http://www.che.de/downloads/Berlin_Principles_IREG_534.pdf (Abruf 26.10.2016)

Wissenschaftsrat: Empfehlungen zu Rankings im Wissenschaftssystem, Teil 1: Forschung. Drs. 6285-04 vom 12. November 2004

Van Vught, Frans A.; Ziegele, Frank (Eds.): Multidimensional Ranking - The Design and Development of U-Multirank, Hamburg 2012

ZEIT online: CHE Hochschulranking 2016/17(2016). http://www.das-ranking.de (Abruf 26.10.2016)

Autor


 

Prof. Dr. Frank Ziegele, Centrum für Hochschulentwicklung gGmbH, Verler Straße 6, 33332 Gütersloh

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Zuletzt bearbeitet: 22.11.2016 22:45
Letzter Abruf: 20.07.2017 18:28
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