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Web-Service-Technologien

Web-Service-Technologien (WST) dienen der flexiblen Integration verteilter, heterogener Softwarekomponenten. WST bieten plattformunabhängige Schnittstellen, auf die über Standard-Internetprotokolle zugegriffen werden kann. Darüber hinaus beinhalten WST Mechanismen zur Kommunikations-Absicherung, zur Verwaltung von Web-Services sowie zur Komposition von Web-Services zu Geschäftsprozessen.

Web-Service-Technologien

Web-Service-Technologien (WST) bezeichnen ein Bündel aufeinander aufbauender Sprachen und Protokolle zur Integration verteilter, heterogener Softwarekomponenten. Integration kann hierbei Systeme und Applikationen sowohl innerhalb einer Organisation (engl. Enterprise Application Integration, EAI) als auch zwischen Organisationen umfassen, also die Kommunikation mit unternehmensexternen Systemen (engl. Inter Enterprise Integration, IEI). WST dienen zur Interaktion zwischen Systemen; Benutzungsschnittstellen für die Mensch-Maschine-Interaktion stehen daher nicht im Mittelpunkt der WST.

Den Kern der WST bilden die Web Service Description Language (kurz WSDL) [Chinnici et al. 2007] und SOAP  [Mitra, Lafon 2007]. Sowohl WSDL (aktuelle Version ist WSDL 2.0) als auch SOAP (aktuelle Version: SOAP 1.2) sind verabschiedete Empfehlungen (engl. recommendations) des World Wide Web Consortium (kurz W3C), dem Gremium zur Standardisierung der das World Wide Web betreffenden Techniken. WSDL ist eine Sprache zur plattformunabhängigen Beschreibung der Schnittstellen der von Softwarekomponenten als Dienst (Web-Service) angebotenen Funktionalität. SOAP ist ein Protokoll zur Interaktion mit Web-Services auf Nachrichtenebene. SOAP-Nachrichten können über beliebige Internetprotokolle wie HTTP oder SMTP übertragen werden.

Im Gegensatz zu monolithischen Architekturen bleiben bei Web-Service-basierten Architekturen die einzelnen Systeme autonom und kommunizieren nur über SOAP-Nachrichten miteinander. Ein gemeinsames Kompilieren oder Binden der einzelnen Anwendungen zu einer großen Anwendung findet nicht statt. Dieses Prinzip der losen Kopplung erlaubt es, einzelne Systeme unabhängig voneinander weiterzuentwickeln und Dienste leichter auszutauschen.

Wie in Abbildung 1 dargestellt, wurde basierend auf den grundlegenden Web-Service-Technologien WSDL und SOAP eine Vielzahl weiterer Technologien entwickelt. So existieren Möglichkeiten der Absicherung der Kommunikation mit Web-Services sowie zur Verwaltung von Web-Services, deren Qualitätsanforderungen sowie assoziierten Dienstleistungsverträgen. Auch Zustände und Funktionalitäten von Hardware-Ressourcen (Drucker, Speicher, CPU, Bandbreite etc) können als Web-Services angeboten werden. Über Verzeichnisdienste (auch Kataloge genannt) kann ein Web-Service-Anbieter Dienstschnittstellenbeschreibungen veröffentlichen. Ein Dienstkonsument sucht nach geeigneten Web-Services mit Hilfe angebotener Katalogfunktionen und kann, bei Sucherfolg, gefundene Dienste manuell oder automatisiert einbinden. Hiermit kann mittels WST eine Service-Orientierte Architektur (SOA) realisiert werden (Anmerkung: SOA ist nicht gleichzusetzen mit WST, da eine Web-Service-Architektur ohne Verzeichnisdienst keiner SOA entspricht; auch kann eine SOA mit alternativen Middleware-Lösungen wie CORBA [OMG 2008] realisiert werden). Choreographie und Orchestrierung von Web-Services erlauben die Komposition von Web-Services zur Realisierung größerer Anwendungen bis hin zu vollständigen Geschäftsprozessen mit Transaktionseigenschaften über Unternehmensgrenzen hinweg. 

WS Architecture W3C gif

Abb. 1: Web-Service-Architektur [Booth et al. 2004]

Wie WSDL und SOAP basieren diese Technologien auf XML-Standards wie dem XML-Information Set, XML-Schema, XPath , etc.

Literatur

Chinnici, Roberto; Moreau, Jean-Jaques; Ryman, Arthur; Weerawarana, Sanjiva: Web Services Description Language (WSDL) Version 2.0: Part 1 Core Language - W3C Recommendation (2007). http://www.w3.org/TR/wsdl20 (Abruf 4.8.2008).

Mitra, Nilo; Lafon, Yves: SOAP Version 1.2 Part 0: Primer Specification – W3C Recommendation (2007). http://www.w3.org/TR/2007/REC-soap12-part0-20070427/ (Abruf 4.8.2008).

OMG (Object Management Group): Catalog of CORBA/IIOP Specifications (2008), http://www.omg.org/spec/#MW  (Abruf 21.09.2016).

Booth, David; Haas, Hugo; McCabe, Francis; Newcomer, Eric; Champion, Iona M.; Ferris Chris; Orchard, David: Web Services Architecture - W3C Working Group Note (2004). www.w3.org/TR/ws-arch/ (Abruf 3.8.2008).

 

Autoren


 

Dr. Thomas Setzer, Lehrstuhl für Internetbasierte Geschäftssysteme, Fakultät für Informatik, TU München, Boltzmannstr. 3, 85748 Garching

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Prof. Dr. Martin Bichler, TU München, Internet-based Information Systems, Department of Informatics, Boltzmannstr. 3, 85748 Garching

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Zuletzt bearbeitet: 30.09.2016 10:08
Letzter Abruf: 23.08.2017 02:29
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