Benutzerspezifische Werkzeuge

Remote Database Access

Dem klassischen Ansatz der datenzugriffsorientierten Middleware liegt die Idee zugrunde, Anwendungen über eine vermittelnde Schicht den entfernten Zugriff auf die in verteilten, heterogenen Datenhaltungssystemen bzw. Datenbanken gespeicherten Daten zur Verfügung zu stellen (Remote Database Access).

„Database-oriented Middleware is all the software that connects some application to some database. [Linthicum]

Diesem Integrationskonzept folgend erzeugt eine entsprechende Middleware aus Anwendungssicht eine Art „Virtuelle Datenbank“, die von den Details der konkreten Speicherung der Daten in den einzelnen Systemen abstrahiert und Daten so zur Verfügung stellt, wie sie die jeweilige Anwendung benötigt. Insofern geht dieser Ansatz über das Konzept der verteilten Datenbanken hinaus, da hier kein gemeinsames Datenmodell vorausgesetzt werden kann. Vielmehr muss die Middleware zur Laufzeit zwischen unterschiedlichen zugrunde liegenden Strukturmodellen vermitteln und beispielweise ein in relationaler Form gespeichertes Datentupel „Auftrag“ und ein als Instanz einer Klasse „Purchase Order“ gespeichertes SW-Objekt einer zugreifenden Anwendung  integriert zur Verfügung stellen (s. Abbildung 1).

 RDA

Abb. 1: Datenzugriffsorientierte Middleware

Anforderungen, die eine entsprechende Middleware somit erfüllen muss, sind u. a.:

  1. Bereitstellung von allgemeinen Schnittstellen für zugreifende Anwendungen
  2. Abbildung der Anwendungsmodelle auf die Strukturmodelle der Datenhaltungssysteme
  3. Ortstransparentes Absetzen von Datenanfragen (Query) über das Netzwerk
  4. Ausführen der entfernten Anfrage im Prozessmodell des lokalen Systems
  5. Rücktransport der aus einem entfernten Zugriff resultierenden Daten an das anfragende System
  6. Abbildung der gelieferten Datensätze in das von der Anwendung benötigte Format

Zur Umsetzung von Remote Database Access können drei Ansätze unterschieden werden:

  1. Proprietäre Schnittstellen:
    In dieser einfachsten Form stellen die Datenhaltungssysteme jeweils ein sog. Application Programming Interface (API) zur Verfügung, über das ein entfernter Zugriff erfolgen kann.
  2. Standardschnittstellen (Call-Level Interfaces – CLIs):
    Da proprietäre Schnittstellen zwar typischerweise einen sehr performanten Zugriff ermöglichen, andererseits aber zu einer starken Herstellerabhängigkeit führen, haben sich Standards wie ODBC (Open Database Connectivity) oder JDBC (Java Database Connectivity) etabliert, die einen standardisierten Datenzugriff auf unterschiedliche Systeme möglich machen.
  3. Datenbank-Gateways:
    Sie stellen die mächtigste Variante im Sinne einer „Virtuellen Danbank“ dar, sind sie doch in der Lage, ein ganzes Spektrum an unterschiedlichen Datenhaltungssystemen – u. a. auch sog. Legacy Anwendungen, die auf Mainframe-Systemen laufen – über eine explizite Zwischenschicht an die Aufrufsysteme zu koppeln.

Literatur

Britton, Chris ; Bye, Peter: IT Architectures and Middleware: Strategies for Building Large, Integrated Systems. Amsterdam : Addison-Wesley, 2004

Kaib, Michael: Enterprise Application Integration. Wiesbaden : Deutscher Universitäts-Verlag, 2002

Linthicum, David S.: Enterprise Application Integration. Amsterdam : Addison-Wesley, 2000

Autor


 

Prof. Dr.-Ing. Andreas Karcher, Professur für Softwarewerkzeuge und Methoden für integrierte Anwendungen, Fakultät für Informatik, Universität der Bundeswehr, Werner-Heisenberg-Weg 39, D-85577 Neubiberg

Autoreninfo


Zuletzt bearbeitet: 29.11.2016 12:11
Letzter Abruf: 26.03.2017 16:58
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