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Software as a Service

Peter Buxmann (unter Mitarbeit von Sonja Lehmann, Rabea Sonnenschein)

Der Bezug von Software als Dienstleistung, kurz “Software as a Service” (SaaS), gilt derzeit als wichtiger IT-Trend. Branchenanalysten prognostizieren steigende Umsätze sowie ein anhaltendes Wachstum. Dieser Beitrag zeigt Besonderheiten sowie Vor- und Nachteile für Anbieter und Nachfrager des Software-Distributions-Modells auf.

Bei Software as a Service (SaaS) handelt es sich um ein Bezugsmodell, bei dem den Anwendern eine Standardsoftwarelösung als Dienstleistung über das Internet zur Verfügung gestellt wird. Die Anbieter sind dabei auch für Betrieb und Wartung der Software verantwortlich.

Grundsätzlich ist SaaS für eine Vielzahl von Anwendungsgebieten einsetzbar. Besonders geeignet scheint dieses Geschäftsmodell jedoch für Funktionen und Prozesse zu sein, die sich zu einem hohen Grad standardisieren lassen [Lünendonk 2007]. Bekannte Beispiele sind die Customer-Relationship-Management-Software Salesforce.com oder SAP Business ByDesign [Buxmann et al. 2014].

Im Gegensatz zu klassischer Standardsoftware zahlen die Nutzer für SaaS-Lösungen in der Regel keine Lizenzgebühr. Vielmehr sind Nutzungsgebühren zu entrichten, die beispielsweise monatlich, quartalsweise oder jährlich anfallen. Zu unterscheiden sind hierbei nutzungsabhängige und -unabhängige Preismodelle. Darüber hinaus sind aus Sicht der Software- und Serviceanbieter auch andere Erlösmodelle, wie z. B. Werbeeinnahmen, denkbar.

Aus der Anwenderperspektive ist zu beachten, dass SaaS-Lösungen im Vergleich zu klassischer Standardsoftware in der Regel weniger Anpassungsmöglichkeiten an unternehmensspezifische Anforderungen bieten. Diesem potenziellen Nachteil stehen tendenziell geringere Implementierungskosten gegenüber. Darüber hinaus kann die Anwendung von SaaS grundsätzlich zu einer geringeren Abhängigkeit vom Softwareanbieter führen [Buxmann et al. 2014].

Da es sich bei der Inanspruchnahme eines SaaS-Angebots um die Auslagerung von Funktionen oder Prozessen an Dritte handelt, lassen sich einige potenzielle Vor- und Nachteile der SaaS-Nutzung grundsätzlich aus denen des Outsourcing ableiten. Als ein zentraler Vorteil des Outsourcing wird in der Regel angeführt, dass sich die Anwender stärker auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können. Dies gilt grundsätzlich auch für die Nutzung von SaaS-Angeboten: Da die Anwender Aufgabenstellungen wie Support, Wartung und Betrieb auslagern, können die auf diese Weise freigesetzten Ressourcen für andere Bereiche eingesetzt werden, etwa um die eigenen Kernkompetenzen zu stärken. Zudem kann SaaS, wie das Outsourcing anderer Aufgabenstellungen, einen Beitrag dazu leisten, das IT-Management beim Anwender zu vereinfachen und flexibler zu gestalten. Beispielsweise wird der Anbieter die jeweils aktuellste Version der Applikation bereitstellen. Darüber hinaus kann die Auslagerung an einen oder mehrere SaaS-Anbieter Zugang zu intern nicht vorhandenem Know-how eröffnen. Aufgrund von anbieterseitigen Skaleneffekten, insbesondere in den Bereichen IT-Infrastruktur, Hard- und Software sowie Personal, lassen sich bei der Nutzung von SaaS grundsätzlich auch Kostenvorteile realisieren.

Mit SaaS können allerdings auch die für Outsourcing typischen Probleme verbunden sein. So zeigen viele Erfahrungen in Outsourcing-Projekten, dass sich die Aufgabe von Know-how zukünftig möglicherweise als nachteilig erweisen kann. Diese Argumentation gilt grundsätzlich auch bei der Nutzung von SaaS-Angeboten. Ein weiteres häufig angesprochenes Thema ist die Sicherheit. Hierbei wird insbesondere von kleinen und mittelständischen Kunden die Auslagerung interner sensibler Daten an Dritte als riskant eingeschätzt [Brandt und Buxmann 2008]. Dies ist insofern kritisch, dass kleine und mittelständische Unternehmen von den SaaS-Anbietern häufig als die Hauptzielgruppe angesehen werden [Zencke 2007].

Aus Anbietersicht beinhaltet das SaaS-Modell sowohl neue Chancen als auch Risiken. So stehen viele Hersteller vor der Fragestellung, mit welchem Preismodell und welcher Produktdifferenzierung sie in den Markt gehen sollen [Buxmann et al. 2014]. Darüber hinaus ist zu entscheiden, ob die Softwarelösungen auf Basis von SaaS und/oder einem klassischen Lizenzmodell angeboten werden sollen. Hierbei stellt sich für die Hersteller das auch aus anderen Bereichen bekannte Multichannel-Problem: Die Angebote und Preise sind so auszugestalten und abzustimmen, dass die Zahlungsbereitschaften der potenziellen Kunden möglichst gewinnoptimal abgeschöpft werden.

Von großer Bedeutung für die Etablierung von SaaS-Lösungen ist ferner die Verfügbarkeit leistungsfähiger Infrastruktur-Plattformen. In diesem Zusammenhang könnten SaaS-Lösungen durch das derzeit viel diskutierte Cloud Computing-Konzept eine wachsende Verbreitung finden.

Wie bereits angedeutet, ist bei der Anwendung einer SaaS-Lösung die Sicherheit der Cloud ein wichtiger Faktor. Neben Vorteilen wie Kosteneinsparungen und der effizienten Nutzung von Ressourcen, entscheidet insbesondere das wahrgenommene Risiko durch die Anwender, ob eine SaaS-Lösung zum Einsatz kommen wird. Innerhalb des wahrgenommen Risikos kann zwischen sechs Dimensionen unterschieden werden, die jeweils betrachtet und bewertet werden müssen (mit absteigender Wichtigkeit für den Anwender): Vertraulichkeitsrisiko,  Verfügbarkeitsrisiko, Verantwortlichkeitsrisiko, Integritätsrisiko, Performanzrisiko und Wartbarkeitsrisiko. Bei einer Bewertung dieser Risiken durch die Anbieter zeigt sich, dass Anbieter dazu tendieren ihre eigenen Lösungen als sicherer zu bewerten, als die Lösungen ihrer Wettbewerber. Eine mögliche Erklärung könnte die Theorie des unrealistischen Optimismus sein. Diese besagt, dass Individuen dazu neigen, das eigene Risiko im Vergleich zum Risiko anderer zu unterschätzen [Buxmann et al. 2014].

Literatur

Brandt, B.; Buxmann, P.: Chancen und Risiken des Einsatzes von Software as a Service in mittelständischen Unternehmen - Ergebnisse einer leitfadengestützten Expertenbefragung. In: Fenk, G. et al. (Hrsg.): Innovationen im Outsourcing, Elztal, 2008.

Buxmann, P.; Diefenbach, H.; Hess, T.: Die Softwareindustrie. Ökonomische Prinzipien, Strategien, Perspektiven. 3. Auflage. Berlin u. a.: Springer 2014.

Lünendonk, T.: Führende Standard-Software-Unternehmen in Deutschland. Bad Wörishofen: Studie der Lünendonk GmbH, 2007.

Zencke, P.: Einsatz von Standardsoftware im Mittelstand. In: Wirtschaftsinformatik 49 (2007), Sonderausgabe, S. 122-124.

 

Autor


 Peter Buxmann_2014

Prof. Dr. Peter Buxmann, Technische Universität Darmstadt, Fachgebiet Wirtschaftsinformatik | Software Business & Information Management, Hochschulstraße 1, 64289 Darmstadt

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Zuletzt bearbeitet: 08.05.2015 14:47
Letzter Abruf: 23.10.2017 00:41
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