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Parametrisierung von Standardsoftware

Unter Parametrisierung werden Customizing-Aktivitäten verstanden, die den Gesamtumfang einer Standardsoftware durch das Setzen von Parametern auf den vom Unternehmen gewünschten Umfang reduzieren. Voraussetzung für die Parametrisierung ist eine Standardsoftware mit sehr großem Funktionsumfang.

Durchführung und Voraussetzungen der Parametrisierung

Durchführung

Im Rahmen der Parametrisierung (als eine Vorgehensweise des Customizing) werden Teile der Standardsoftware durch Setzen von Parametern aktiviert bzw. deaktiviert [Gronau, 2001, S. 14; Leßweng, Lanninger, Thome 2004, S. 223]. Ausgehend von einem umfangreichen Gesamtmodell eines Unternehmens in der Standardsoftware wird top-down bzw. analytisch eine konkrete Ausprägung der Standardsoftware für ein bestimmtes Unternehmen erstellt [Wedekind, Günzel 1999, S. 450]. Der Anwender kann so den Funktionsumfang sowie den Programmablauf der Standardsoftware steuern und gemäß seinen Vorstellungen modifizieren [Horváth, Petsch, Weihe 1986, S. 121].

Abbildung 1 zeigt die Anpassung des Funktionsumfangs der Standardsoftware an den vom Unternehmen benötigten Funktionsumfang in zwei Fällen: Links kann der gesamte benötigte Funktionsumfang durch Parametrisierung abgebildet werden, während rechts ein Teil der benötigten Funktionen nicht durch die Standardsoftware abgedeckt ist.

Parametrisierung_Abb_1.jpg

Abb. 1: Visualisierung der Parametrisierung

Voraussetzungen

Der rechte Teil der Grafik zeigt, dass eine ausschließliche Anpassung der Standardsoftware im Rahmen der Parametrisierung nur möglich ist, wenn die entsprechenden Funktionen bereits bei der Systementwicklung in den Funktionsumfang aufgenommen wurden und durch Parameter aktivierbar sind [Horváth, Petsch, Weihe 1986, S. 121]. In Fällen, in denen der vorgegebene Funktionsumfang der Standardsoftware nicht ausreicht, um Strukturen, Funktionen und Prozesse des Unternehmens abzubilden, ist entweder eine Anpassung des Unternehmens an die Standardsoftware oder eine Erweiterungsprogrammierung notwendig. Das analytische Customizing setzt somit eine Standardsoftware mit sehr großem Funktionsumfang voraus.

Literatur

Gronau, Norbert: Industrielle Standardsoftware - Auswahl und Einführung. München, Wien : Oldenbourg, 2001.

Horváth, Péter ; Petsch, Manfred ; Weihe, Michael: Standard-Anwendungssoftware für das Rechnungswesen. 2. Auflage. München : Vahlen 1986.

Leßweng, Hans-Peter ; Lanninger, Volker ; Thome, Rainer: Betriebliche Standardanwendungssoftware. In: Das Wirtschaftsstudium (WISU), 33 (2004), Heft 2, S. 219-227.

Wedekind, Hartmut ; Günzel, Holger: "Top-Down"- versus "Bottom-up"-Adaption von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware. In: Buchmann, Alejandro P. (Hrsg.): Datenbanksysteme in Büro, Technik und Wissenschaft (BTW). GI-Fachtagung. Freiburg : Springer, 1999, S. 449-455.

 

Autoren


 

Dr. Volker Lanninger, Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Operations Research, Prof. Dr. Oliver Wendt, Technische Universität Kaiserslautern, Postfach 3049, D-67653 Kaiserslautern

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Prof. Dr. Oliver Wendt, TU Kaiserslautern, Wirtschaftsinformatik und Operations Research

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Zuletzt bearbeitet: 25.10.2012 13:40
Letzter Abruf: 25.04.2017 04:53
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