Benutzerspezifische Werkzeuge

SCOR-Modell

Das SCOR-Modell ist ein prozessorientiertes Referenzmodell für das Supply Chain Management, das vom Supply Chain Council entwickelt wird.

Überblick

Das SCOR-Modell wurde 1996 von dem Supply-Chain Council erstmalig vorgestellt. Nach mehrfacher Überarbeitung liegt das SCOR-Modell seit 2012 in der Version 11 vor [Supply-Chain Council 2016]. Während zunächst 69 Gründungsmitglieder dem Supply-Chain Council angehörten, umfasst das Supply-Chain Council inzwischen über 500 Unternehmen und Forschungsinstitutionen. Im Jahr 2014 wurde das Supply-Chain Council mit der Association for Operations Management (APICS) fusioniert, die mehr als 50.000 natürliche Personen als Mitglieder umfasst. Die Vereinigung trägt jetzt den Namen APICS Supply-Chain Council.

Grundkonzepte

Das SCOR-Modell definiert sechs unterschiedliche Prozesstypen, deren Zusammenhang anhand einer mehrstufigen Supply Chain in Abbildung 1 visualisiert wird:

  • Planen (plan): Dieser Prozess umfasst die Planung und das Management des Angebots an und der Nachfrage nach Gütern.
  • Beschaffen (source): Dieser Prozess umfasst den Bezug von Waren, den Wareneingang, die Eingangskontrolle, die Lagerung und die Zahlungsanweisung für sämtliche Güter.
  • Herstellen (make): Dieser Prozess umfasst sämtliche Schritte der Produktionsdurchführung.
  • Liefern (deliver): Dieser Prozess umfasst sämtliche Schritte der Bestellung und Auslieferung von Gütern zum Kunden.
  • Rückliefern (return): Dieser Prozess umfasst sämtliche Schritte zur Abwicklung von zurückgesendeten Gütern, wobei sowohl Reparaturen als auch Wartungen berücksichtigt werden.
  • Unterstützung (enable): Dieser Prozess umfasst Aktivitäten, welche die Planung und Ausführung von Prozessen der Supply Chain ermöglichen.

 Kategorien des SCOR-Modells

Abb. 1: Zusammenhang zwischen den Prozesstypen des SCOR-Modells

Wirkung des SCOR-Modells und empirische Befunde

In der Untersuchung von [Fettke 2008] wird der Erfolg der Nutzung des SCOR-Modells aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven analysiert, wobei unter anderem markt-, ressourcen- und netzwerkorientierte Theorieansätze zur Anwendung kommen. Darüber hinaus wird auf Grundlage einer empirischen Untersuchung sämtlicher Mitglieder des Supply Chain Council die Hypothese gestützt, dass die Anwendung des SCOR-Modells mit positiven Effekten im Hinblick auf typische Ziele im Supply Chain Management verbunden ist. Darüber hinaus finden sich weitere empirische Untersuchungen in der Literatur [Lockamy, McCormack 2004; Georgise et al. 2016]

Einzelne Aussagen zur Wirkung des SCOR-Modells sind intersubjektiv zum Teil nur bedingt nachvollziehbar, sondern basieren auf subjektiven Expertenurteilen. So behauptet [Stephens 2001, S., 471] beispielsweise: Das SCOR-Modell „is .. being successfully applied to improve business operations in North America, Latin America, Europe, Asia and Australia/New Zealand. Practitioners have generated significant returns on their supply chain investments through using the Model [sic!].“ Auch die Aussagen von [Bolstorff, Rosenbaum, Poluha 2007, S., 27] beruhen auf subjektiven Erfahrungen:

  • „Steigerung der gesamten Betriebserträge um drei Prozent nach Durchführung eines initialen SCOR-Projekts durch Kostensenkungen und Verbesserung des Kundenservice;
  • Zwei- bis sechsfache Kapitelrentabilität innerhalb von zwölf Monaten nach Projektabschluss ...;
  • ... Verbesserung der Gesamtkapitalrentabilität für das Betriebsvermögen;
  • Senkung der Betriebsausgaben für Informationstechnologie ...;
  • ... ein- bis dreiprozentige Steigerung des jährlichen Betriebsergebnisses.“

Literatur

Bolstorff, Peter A. ; Rosenbaum, Robert G. ; Poluha, Rolf G.: Spitzenleistung im Supply Chain Management – Ein Praxishandbuch zur Optimierung mit SCOR. Springer: Berlin, Heidelberg, 2007.

Fettke, Peter: Empirisches Business Engineering – Grundlegung und ausgewählte Ergebnisse. Universität des Saarlandes, Habilitationsschrift. Saarbrücken 2008.

Georgise, Fasika Bete; Thoben, Klaus-Dieter; Seifert, Marcus: Application of the Adapted SCOR Model to the Leather Industry: An Ethiopian Case Study. In: Kotzab, Herbert; Pannek, Jürgen; Thoben, Klaus-Dieter: Dynamics in Logistics: Proceedings of the 4th International Conference LDIC 2014, Bremen, Germany. Springer, 2016, S. 441-451.

Lockamy, Archi ; McCormack, Kevin: Linking SCOR planning practices to supply chain performance, International Journal of Operations & Production Management (2004), Nr. 12, S. 1192-1218.

Stephens, Steve: Supply Chain Operations Reference Model Version 5.0: A New Tool to Improve Supply Chain Efficiency and Achieve  Best Practices. In: Information Systems Frontiers 3 (2001), Nr. 4, S. 471-476.

Supply-Chain Council (2016): APICS Supply-Chain Council. http://www.apics.org/sites/apics-supply-chain-council (Abruf 2016-09-14).

Autor


 

Prof. Dr. Peter Fettke, Institut für Wirtschaftsinformatik (IWi) im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Campus D3 2, 66123 Saarbrücken

Autoreninfo


Zuletzt bearbeitet: 23.11.2016 15:41
Letzter Abruf: 16.12.2017 23:40
Artikelaktionen