Benutzerspezifische Werkzeuge

Prozessdesign und -modellierung im SCM

Das Prozessdesign und die -modellierung im Supply Chain Management (SCM) ist von besonderer Bedeutung, um die betrieblichen Abläufe in unterschiedlichen Unternehmen effektiv und effizient aufeinander abstimmen zu können.

Überblick

Der Entwurf und die Modellierung von Prozessen spielt im SCM eine besondere Rolle, da diese Prozessarten per definitionem überbetrieblicher Natur sind. Daraus resultiert, dass bei der Prozessgestaltung eine Vielzahl stark heterogener Gegebenheiten zu berücksichtigen sind [Schüppler 1998]. Beispielsweise unterscheiden sich in der Regel die eingesetzten Technologien, die verwendeten Ansätze zur Prozessbeschreibung und der Sprachgebrauch. Aufgrund der hohen Heterogenität haben standardisierte Ansätze zum Prozessdesign und zur ‑modellierung wie beispielsweise das SCOR-Modell im SCM eine besondere Relevanz.

Modellierungsebenen im SCOR-Modell

Im Folgenden werden exemplarisch auf der Grundlage des SCOR-Modells unterschiedliche Ebenen zur Prozessgestaltung im SCM erläutert. So unterscheidet das SCOR-Modell vier Detaillierungsebenen:

  1. Ebene: Die oberste Modellierungsebene umfasst die sechs Prozesstypen „Beschaffen“, „Herstellern“, „Liefern“, „Planen“, „Rückliefern“ und „Unterstützen“.
  2. Ebene: Jeder Prozesstyp wird auf der zweiten Ebene in unterschiedliche Prozesskategorien verfeinert. Hierbei werden in Abhängigkeit des Prozesstyps unterschiedliche Kriterien verwendet. Beispielsweise werden die Prozesstypen „Beschaffen“, „Herstellen“ und „Liefern“ im Hinblick auf Lager- und Kundenauftragsfertigung unterschieden.
  3. Ebene: Jede Prozesskategorie wiederum wird auf dieser Ebene in einzelne Prozesselemente untergliedert. Zwischen den Prozesselementen werden Ablaufreihenfolgen und Datenflussbeziehungen festgelegt. Zudem werden zu jedem Prozesselement einzelne Metriken und sogenannte Best Practices vorgeschlagen.
  4. Ebene: Zu jedem Prozesselement kann auf dieser Ebene eine Menge von durchzuführenden Aktivitäten definiert werden. Diese Aktivitäten sind nicht vom SCOR-Modell standardisiert, sondern können beziehungsweise müssen unternehmensspezifisch festgelegt werden.

Modellierungsbeispiel

Auf den vier Modellierungsebenen nutzt das SCOR-Modell unterschiedliche Modellierungssprachen, wobei keine standardisierten, sondern proprietäre Modellierungssprachen zum Einsatz kommen. Eine exakte Definition der Sprachelemente findet sich im SCOR-Modell nicht. Auf der ersten und zweiten Modellierungsebene werden einfache graphische Konstrukte zur Verdeutlichung von Wertschöpfungsstufen im und zwischen Unternehmen eingesetzt. Abbildung 1 visualisiert einen Beispielprozess für die Beschaffung von Gütern auf der dritten Modellierungsebene. Die Definition der Metriken und Best Practices erfolgt im SCOR-Modell anhand tabellarischer Aufzählungen.

 Exemplarische SCOR-Prozesskategorie

Abb. 1: Exemplarische Darstellung einer Prozesskategorie (Quelle: [Supply-Chain Council 2016])

Werkzeugunterstützung

Im Hinblick auf eine mögliche Werkzeugunterstützung bei der Prozessgestaltung bestehen besondere Anforderungen im SCM. Beispielsweise müssen die Werkzeuge gut im überbetrieblichen Umfeld eingesetzt werden können, ausgereifte Import-/Export-Schnittstellen zur Verfügung stellen und vielfältige Modellierungsstandards unterstützen. Neben allgemeinen Werkzeugen zur Prozessmodellierung versprechen verschiedene Werkzeuge auch eine spezielle Unterstützung von Konzepten zum SCM. Beispielsweise unterstützt die ARIS-Plattform speziell die Prozessgestaltung auf Basis des SCOR-Modells [ohne Verfasser 2008, S., S. 11]. [Huang, Sheoran, Keskar 2005, S., S. 388-390] beschreiben ein prototypisches Werkzeug speziell zur Konfiguration von Supply Chains.

Literatur

Huang, Samuel H. ; Sheoran, Sunil K. ; Keskar, Harshal: Computer-assisted supply chain configuration based on supply chain operations reference (SCOR) model. In: Computers & Industrial Engineering (2005), Nr. 2, S. 377-394.

ohne Verfasser: ARIS Referenzmodelle – Von Null auf Hundert dank Best Practice-Referenzmodellen. In: Scheer Magazin (2008), Nr. Extra, S. 11.

Schüppler, David: Informationsmodelle für überbetriebliche Prozesse - Ein Ansatz zur Gestaltung von Interorganisationssystemen. Frankfurt a. M.: Peter Lang, 1998.

Supply-Chain Council (2016): APICS Supply-Chain Council. http://www.apics.org/sites/apics-supply-chain-council (Abruf 14.09.2016).

 

Autor


 

Prof. Dr. Peter Fettke, Institut für Wirtschaftsinformatik (IWi) im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Campus D3 2, 66123 Saarbrücken

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Zuletzt bearbeitet: 23.11.2016 15:35
Letzter Abruf: 24.11.2017 14:15
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