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Just-in-Time-Systeme im SCM

Just-in-Time-Systeme finden sich meist in produzierenden Unternehmen. Die Idee ist eine bedarfsgerechte, zeitpunktgenaue Anlieferungen der Materialien des Zulieferers direkt in die laufende Produktion hinein.

Funktionsweise

Während beim Cross-Docking hauptsächlich die Distribution fertiger Produkte zum Händler im Mittelpunkt steht, geht es bei Just-in-Time-Beschaffungssystemen um den Wareneingang in die Produktion. Die benötigten Materialien sollen dabei erst bei Bedarf und möglichst synchron zur Produktion beschafft und somit Durchlaufzeiten und Lagerbestände minimiert bzw. eliminiert werden. Gekennzeichnet wird das System durch geringe, der aktuellen Produktion entsprechende Losgrößen und einer dementsprechend hohen Lieferfrequenz, meist im Stundenbereich [Simchi-Levi, Kaminski, Simchi-Levi 2003, S. 134 f]. Dies macht eine enge Kooperation zwischen Zulieferern und Herstellern sowie geografische Nähe nötig.

Ausprägungen

Bei JIT-Systemen, wie sie etwa von amerikanischen Unternehmen angewendet werden, liegt das Hauptaugenmerk auf einer Verbesserung bisheriger Materialflusskonzepte. Beschaffungsaktivitäten werden als Reaktion auf eine in der Zukunft erwartete Nachfrage durchgeführt (Push-Ansatz), d. h. Material wird aufgrund erstellter Produktionspläne in das System geschoben. Das von Toyota entwickelte Kanban-System basiert auf dem Pull- Prinzip, d. h. Beschaffungsaktivitäten auf allen Ebenen werden als Reaktion auf einen aktuellen Bedarf durchgeführt. Einer Fortpflanzung und Aufschaukelung der Prognosefehler wird effektiv vorgebeugt, da die Produktionsaktivität von der Planungsaktivität entkoppelt ist und nur auf Basis tatsächlich vorhandener Aufträge und nicht mehr prognoseorientiert produziert wird [Witte 2001, S. 30 – 36]. 

Auswirkungen

Die Hauptvorteile der JIT-Beschaffung sind die erhebliche Reduzierung der Durchlaufzeiten sowie der Abbau von Lagerbeständen. Nachteile ergeben sich aus der langen Implementierungszeit, dem hohen Koordinationsbedarf (im Push-Fall), der Abhängigkeit von Zulieferern, dem hohen Risiko durch fehlende Sicherheitsbestände sowie dem erhöhten Verkehrsaufkommen, da das Lager im Prinzip auf die Straße verlegt wird. In der Praxis wird JIT vor allem in der Güterproduktion verwendet, da eine Implementierung im Einzelhandel aufgrund des unsicheren Nachfrageverhaltens schwer zu realisieren ist [Witte 2001, S. 43].

Literatur

Simchi-Levi, David; Kaminsky, Philip; Simchi-Levi Edith: Designing & Managing the Supply-Chain. 2. Aufl., Boston, MA u.a. : Mcgraw-Hill, 2003.

Witte, Hermann: Logistik. München, u.a : Oldenbourg, 2001.

Autor


 

Dr. Kai Riemer, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, ERCIS European Research Center for Information Systems, Lehrstuhl für WI und Interorganisationsysteme, Leonardo-Campus 3, 48149 Münster

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Zuletzt bearbeitet: 17.04.2015 17:31
Letzter Abruf: 24.03.2017 21:01
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