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Lieferketten, Steuerung, Kontrolle und Überwachung von

Der zunehmende Zusammenschluss von Organisationen zu einer Lieferkette bei der Erstellung von Produkten und Dienstleistungen stellt das Supply Chain Management (SCM) vor große Herausforderungen. Sämtliche Prozesse innerhalb der Wertschöpfungskette werden mit Hilfe entsprechender Teilgebiete des SCM gesteuert, kontrolliert und überwacht.

Überblick

Mit einer Lieferkette (engl. Supply Chain; auch Wertschöpfungskette) wird ein Netzwerk von Organisationen bezeichnet, das aus Sicht des Endverbrauchers Werte in Form von Produkten und Dienstleistungen erzeugt. Untereinander sind die verschiedene Prozesse und Aktivitäten des Netzwerks durch Beziehungen in Material-, Informations- und Geldflüsse verbunden [Stadtler, Kilger 2008]. Für die Steuerung, Kontrolle und Überwachung der Flüsse innerhalb der Lieferkette beinhaltet das Supply Chain Management die Teilgebiete Supply Chain Controlling, Supply Chain Performance Measurement und Supply Chain Event Management. Hingegen kümmert sich das Teilgebiet Supplier Relationship Management um Aufbau, Steuerung, Kontrolle und Überwachung von externen Lieferanten.

Supply Chain Controlling und Supply Chain Performance Measurement

Für die wert- und performanzorientierte Steuerung, Kontrolle und Überwachung einer Lieferkette auf strategischer, operativer und taktischer Ebene sind die Bereiche Supply Chain Controlling und Supply Chain Performance Measurement zuständig, wobei beide Bereiche in einem engen Zusammenhang stehen.

Während sich die klassischen Controlling-Konzepte auf ein Unternehmen fokussieren, erweitert sich beim Supply Chain Controlling (SCC) der zu untersuchende Gegenstand auf das gesamte Netzwerk von Organisationen. Mit Hilfe von unterschiedlichen Konzepten wird versucht, regelungs-, steuerungs-, koordinationsorientierte und rationalitätssicherende Aufgaben des Controllings über die gesamte Logistikkette wertorientiert abzubilden. Hierzu benötigt das SCC einheitlich vergleichbare Kennzahlen sämtlicher beteiligter Organisationen. Als Instrumente können, neben einer Balanced Score Card, Methoden des Beziehungs-Controllings, unternehmensübergreifende Prozesskostenrechnung oder selektive Kennzahlen verwendet werden. Der Verbreitungsgrad des SCC ist eher als niedrig einzuschätzen. Dies liegt zum einen an den konzeptionellen und theoretischen Defiziten in der Forschung und zum anderen an den Implementierungslücken in der Praxis [Jehle 2005].

Mit dem Supply Chain Performance Measurement (SCPM) werden unter Verwendung von verschiedenen Kenngrößen die Effektivität und Effizienz der Performanz einer Lieferkette bewertet. Für eine Ergebnisdokumentation der gemessenen Performanz wird üblicherweise eine Balanced Scorecard verwendet. Allerdings werden die Standardperspektiven um Lieferketten bezogene Perspektiven ergänzt oder erweitert. Ein Vergleich der gemessenen Performanz mit den formulierten Plan- und entsprechenden Vergangenheitsdaten ermöglicht die Ableitung von Verbesserungsmaßnahmen. Bisher haben sich jedoch weder in der Praxis noch im wissenschaftlichen Bereich überzeugende Konzepte etabliert [Erdmann 2003].

Supply Chain Event Management

Das Supply Chain Event Management (SCEM) hat das Ziel, auf operativer Ebene eine kundenorientierte und zeitgerechte Steuerung der Lieferkette zu ermöglichen. Ein Kernstück bilden IT-Systeme, welche die Lieferketten überwachen, Statusmeldungen erzeugen, diese bewerten und in Kombination mit standardisierten Handlungsempfehlungen an den Entscheidungsträger weiterleiten. Somit kann eine hohe Flexibilität und Reaktionsfähigkeit in der gesamten Lieferkette gewährleistet werden [Hellingrath 2008]. Ein Engpass auf dem Weg zu wirklich gut funktionierendem SCEM besteht darin, dass alle beteiligten Organisationen auf standardisierte Funktionen und Prozesse zurückgreifen und jeder einzelne bereitwillig Informationen und Statusmeldungen dem gesamten Netzwerk zu Verfügung stellt.

Supplier Relationship Management

Das Supplier Relationship Management (SRM) hat seinen Ursprung im absatzbezogenen Relationship Marketing und Customer Relationship Management. Fokus dieses Bereichs sind jedoch nicht die Kunden sondern die Lieferanten der Lieferkette. SRM verfolgt das Ziel des ganzheitlichen Managements des Beschaffungsprozesses und der Lieferantenbeziehungen, um so die Einkaufsseite einer Lieferkette zu optimieren. Zum einen werden durch zentrales Vertrags- und Stammdatenmanagement und einer kollaborativen Beschaffungsplanung Einsparungspotentiale realisiert. Zum anderen sollen einheitlich genutzte Technologien, die gemeinsame Entwicklung, den strategischen Einkauf und die operativen Bestellabwicklungen in der gesamten Lieferkette verbessern, sodass sich etwa die Zeitspanne bis zur Markteinführung eines neuen Produktes verkürzen lässt [Appelfeller, Buchholz 2006].

Literatur

Appelfeller, Wieland; Buchholz, Wolfgang: Supplier Relationship Management. Wiesbaden : Gabler, 2006.

Erdmann, Mark-Ken: Supply Chain Performance Measurement: Operative und strategische Management- und Controlling-Ansätze. Köln : Josef Eul Verlag, 2003.

Hellingrath, Bernd: Prozesse in Logistiknetzwerken – Supply Chain Management. In: Arnold, Dieter; Isermann, Heinz; Kuhn, Axel; Tempelmeier, Horst; Furmans, Kai (Hrsg.): Handbuch Logistik. 3. Auflage. Berlin : Springer, 2008, S. 459-486.

Jehle, Mark: Wertorientiertes Supply Chain Management und Supply Chain Controlling. 1. Auflage. Frankfurt : Peter Lang, 2005.

Stadtler, Hartmut; Kilger, Christoph (Hrsg.): Supply Chain Management and Advanced Planning. 4. Auflage, Berlin : Springer, 2008.

 

Autor


 

Prof. Dr. -Ing. Bernd Hellingrath, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, European Research Center for Information Systems, Leonardo-Campus 3, D-48149 Münster

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Zuletzt bearbeitet: 22.08.2012 12:19
Letzter Abruf: 20.10.2017 05:13
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