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Durchlaufterminierung

In der Durchlaufterminierung geht es um die grobe Festlegung vorläufiger Start- und Endtermine der einzelnen für die Herstellung von Zwischen- und Endprodukten notwendigen Arbeitsgänge auf Basis geschätzter Plan-Durchlaufzeiten. Man unterscheidet die Verfahren der Vorwärts-, Rückwärts- und doppelten Terminierung.

Grundlagen

Gegenstand der Durchlaufterminierung ist die grobe Festlegung vorläufiger Start- und Endtermine der Fertigungsaufträge auf Basis der im Rahmen der Sekundärbedarfsplanung festgelegten Ecktermine der Aufträge. Mögliche Kapazitätsrestriktionen (z. B. durch zeitliche Konkurrenz verschiedener Fertigungsaufträge um dieselben Ressourcen) bleiben dabei unberücksichtigt. Diese finden erst später im Rahmen der Kapazitätsplanung und des Kapazitätsabgleichs Berücksichtigung.

Planungsgrundlage der Durchlaufterminierung sind geschätzte Plan-Durchlaufzeiten [Zäpfel 2001, S. 177 und 185-190], da die tatsächlichen Durchlaufzeiten der Fertigungsaufträge in diesem Planungsstadium noch nicht feststehen; sie ergeben sich erst aus der im Konzept der hierarchischen Produktionsplanung später durchgeführten Ablaufplanung (Feinterminierung). Zur Ermittlung der Plan-Durchlaufzeiten sind die Arbeitspläne der Erzeugnisse heranzuziehen. Diese enthalten Informationen über die zu durchlaufenden Fertigungsschritte, die Bearbeitungszeiten auf den einzelnen Bearbeitungsstationen, erforderliche Rüstzeiten, technologisch bedingte Arbeitsgangfolgen und daraus resultierende Transportzeiten sowie produktionsbedingte Liegezeiten. Ferner wird eine Schätzung der ablaufbedingten Liegezeiten benötigt.

Verfahren der Durchlaufterminierung

Die Durchlaufterminierung kann nach den Verfahren der Vorwärts-, Rückwärts- oder doppelten Terminierung erfolgen [Kurbel 2016, S. 113-118]:

  • Bei der Vorwärtsterminierung wird der früheste Fertigstellungstermin der einzelnen Arbeitsgänge und des gesamten Fertigungsauftrags ausgehend vom Beginn des Planungszeitraums berechnet.
  • Bei der Rückwärtsterminierung wird der späteste Starttermin der einzelnen Arbeitsgänge und des gesamten Fertigungsauftrags ausgehend vom gewünschten Fertigstellungstermin berechnet.
  • Die doppelte Terminierung stellt eine Kombination aus Vorwärts- und Rückwärtsterminierung dar. Dabei wird zunächst eine Vorwärtsterminierung durchgeführt und der früheste Fertigstellungstermin errechnet. Ausgehend von diesem Termin wird dann die Rückwärtsterminierung durchgeführt (oder umgekehrt). Dadurch lassen sich die bei der Auftragsdurchführung zur Verfügung stehenden Pufferzeiten und die kritischen Arbeitsgänge bestimmen.

In Abhängigkeit von der zeitlichen Lage eines Arbeitsvorgangs sowie derjenigen seiner (unmittelbaren) Vorgänger und Nachfolger (frühest oder spätest möglicher Termin) unterscheidet man verschiedene Pufferzeiten, von denen die wichtigste die sog. Gesamtpufferzeit ist [Schwarze 2010, S. 153-159]. Dabei handelt es sich um die Zeitspanne, um die sich die Durchlaufzeit eines Arbeitsvorgangs bei frühest möglichem Start maximal verlängern oder um die sich dessen Start längstens verschieben kann, ohne dass sich der Start der nachfolgenden Arbeitsgänge dadurch hinter deren spätest zulässige Starttermine verschiebt und der geplante Fertigstellungszeitpunkt des Auftrags dadurch nicht mehr eingehalten werden kann. Werden mehrere Arbeitsgänge linear hintereinander ausgeführt, bezieht sich die Gesamtpufferzeit auf die gesamte Arbeitsgangsequenz und nicht auf jeden einzelnen Arbeitsgang. Kritische Arbeitsgänge sind Arbeitsgänge mit einer Gesamtpufferzeit von 0. Sie determinieren den sog. kritischen Weg, das ist der zeitlich längste Weg durch das Auftragsnetz, der wiederum die Durchlaufzeit des Fertigungsauftrags determiniert.

Das Ergebnis der Durchlaufterminierung sind auftragsbezogene Terminpläne, die sich als Gantt-Diagramme graphisch darstellen lassen.

Möglichkeiten zur Durchlaufzeitverkürzung

Zeigt die Durchlaufterminierung, dass der gewünschte Fertigstellungstermin eines Fertigungsauftrags (unter Zugrundelegung der Plan-Durchlaufzeiten) nicht eingehalten werden kann, können die folgenden Möglichkeiten der Durchlaufzeitverkürzung geprüft werden [Kurbel 20052016, S. 145-151118-124; Vahrenkamp 2008, S. 187-189; Zäpfel 2001, S. 179-182]:

  • Reduktion der Übergangszeiten: Durch die Erhöhung der Priorität eines Auftrags (Kennzeichnung als Eilauftrag) wird dieser auf den einzelnen Bearbeitungsstationen bevorzugt eingeplant. Dadurch reduzieren sich die ablaufbedingten Liegezeiten und damit die Durchlaufzeit.
  • Überlappung: Bei der Überlappung werden zwei aufeinanderfolgende Arbeitsgänge eines Fertigungsauftrags teilweise parallel durchgeführt, indem nach Fertigstellung einer Teilmenge eines Loses bereits mit dem nachfolgenden Arbeitsgang begonnen wird (Übergang von einer geschlossenen Produktion, bei der nur komplette Lose an die nächste Fertigungsstufe weitergegeben werden, zu einer offenen Produktion, bei der die Werkstücke unmittelbar nach deren Fertigstellung auf einer Bearbeitungsstation an die nächste Bearbeitungsstation weitergegeben werden bzw. zum sog. Lot Streaming, bei dem Teillose von mehr als einem Werkstück weitergegeben werden).
  • Splitting: Beim Splitting werden kritische Arbeitsvorgänge an mehreren parallelen Arbeitsplätzen oder Maschinen durchgeführt. Dadurch reduziert sich die Bearbeitungszeit auf diesen Bearbeitungsstationen und damit wiederum die Durchlaufzeit. Im Gegensatz zur Überlappung, die eine Parallelisierung unterschiedlicher Arbeitsgänge beinhaltet, werden hier gleiche Arbeitsvorgänge parallelisiert.
  • Losteilung: Ein Los wird in zwei oder mehr Teile aufgespalten. Das erste Teillos kann durch die verringerte Losgröße und die damit verbundene verkürzte Bearbeitungszeit (ggf. noch in Verbindung mit einer Prioritätserhöhung) rechtzeitig fertiggestellt werden. Die anderen Teile des Loses werden später nachproduziert.

Literatur

Kurbel, Karl: Enterprise Resource Planning und Supply Chain Management in der Industrie. 8. Auflage. De Gruyter : Berlin/Boston 2016.

Schwarze, Jochen: Projektmanagement mit Netzplantechnik. 10. Auflage. NWB : Herne 2010.

Vahrenkamp, Richard: Produktionsmanagement. 6. Auflage. Oldenbourg : München 2008.

Zäpfel, Günther: Grundzüge des Produktions- und Logistikmanagement. 2. Auflage. Oldenbourg : München/Wien 2001.

Autor


 

Prof. Dr. Christoph Siepermann, Hochschule Albstadt-Sigmaringen, Fakultät 2 - Business and Computer Science, Studiengang BWL, Anton-Günther-Str. 51/6, 72488 Sigmaringen

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Zuletzt bearbeitet: 05.12.2017 18:51
Letzter Abruf: 16.12.2017 10:17
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