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Stückliste

Stücklisten beschreiben Produktionsfunktionen und geben die Produktionskoeffizienten der Repetierfaktoren an. Beschrieben werden auch die Darstellungsformen von Stücklisten und die Abbildung von Stücklisten in einem Datenmodell.

Grundlagen

Eine Stückliste ist Teil der Stammdaten eines PPS-Systems. Sie ist die tabellarische Darstellung eine linear-limitationalen (Leontief) Produktionsfunktion, indem sie für ein Teil die zu dessen Herstellung notwendigen Inputfaktoren samt Produktionskoeffizienten angibt. Eine äquivalente graphische Darstellungsmöglichkeit ist der Gozinto-Graph: bei diesem gerichteten, kantengewichteten Graphen stellen die Knoten die Teile dar; wird Teil i zur Produktion von Teil j benötigt, dann existiert eine Kante zwischen den beiden Knoten, die mit dem entsprechenden Produktionskoeffizienten markiert ist (vgl. [Kurbel 2016, S. 45 ff]). Stücklisten werden u. a. in den Bereichen Materialwirtschaft, Zeitwirtschaft und PPS-Controlling benötigt; je nach Einsatzgebiet unterscheidet man Fertigungs-, Montage-, Konstruktions-, Kommissionierungs-, Instandhaltungs- oder Recyclingstücklisten.

Darstellungsformen

Je nach der Tiefe der Komponentenangaben und der Art der Mengenangaben lasen sich verschiedene Darstellungsformen von Stücklisten unterscheiden (vgl. [Buzacott et al. 2013, S. 39 ff]):

  • Eine Strukturstückliste zeigt die Zusammensetzung eines Erzeugnisses über alle Fertigungsstufen und umfasst alle Baugruppen, Einzelteile und Rohstoffe die in das betreffende Teil eingehen.
  • Bei Baukastenstücklisten werden nur die direkt eingehenden Teile angegeben.
  • Die Mengenübersichtsstückliste enthält alle unmittelbaren oder mittelbaren Komponenten nur einmal und kumuliert für jede Position alle unmittelbaren oder mittelbaren Produktionskoeffizienten.
  • In einem Teileverwendungsnachweis wird angezeigt, in welche (Zwischen)Produkte ein Teil eingeht. Analog zu den eben beschriebenen Stücklisten im engeren Sinne unterscheidet man Struktur-Teileverwendungsnachweise, Baukasten-Teileverwendungsnachweise und Mengenübersichts-Teileverwendungsnachweise.

Modellierung

Die Abbildung von Stücklisten in Informationssystemen kann in Anlehnung an den Gozinto-Graphen als rekursiver Beziehungstyp zum Entitytyp Teil erfolgen (vgl. Abbildung 1 aus [Kurbel 2016, S. 47]). Neben den Produktionskoeffizienten können als weitere Attribute z. B. die Vorlaufverschiebung und der Ausschußsatz hinzutreten. 

 Abb 1:Datenmodell Stückliste als Erzeugnisstruktur

Abb. 1: Entity-Relationship-Modell einer Stückliste

Stücklisten von Produktvarianten können entweder statisch in der Datenbank gespeichert werden oder dynamisch erzeugt werden. Bei der Verwendung von Variantenfamilien wird je Variante ein variantenspezifischer Produktionskoeffizient in der dem Datenmodell aus Abbildung 1 entspechenden Strukturtabelle gespeichert. Variantencodes verallgemeinern diese Idee. Hier werden eine Produkteigenschaft anhand derer Varianten unterschieden werden (z.B. Farbe, Leistung etc.) und deren variantenspezifische Ausprägung als zusätzliche Schlüsselattribute der Strukturtabelle gespeichert. Dadurch kann auf Basis der Attributsausprägungen im Kundenauftrag dynamisch eine kundenauftragsspezifische Stückliste generiert werden, die aus den Zeilen der Strukturtabelle mit den dazupassenden Variantencodes und den Zeilen ohne Variantencode besteht. 

Literatur

Kurbel, Karl: Enterprise Resource Planning and Supply Chain Management in der Industrie - Von MRP bis Industrie 4.0. Berlin/Boston : Walter de Gruyter, 2016.

Buzacott, John A.;  Corsten, Hans; Gossinger, Ralf; Schneider,  Herfried M.: Production Planning and Control: Basics and Concepts. München : Oldenbourg, 2013. 

 

Autor


 

Prof. Dr. Alfred Taudes, Wirtschaftsuniversität Wien, Institut für Produktionsmanagement, Department of Information Systems and Operations, Nordbergstrasse 15/3, A-1090 Wien

Autoreninfo


Zuletzt bearbeitet: 22.11.2016 15:23
Letzter Abruf: 20.10.2017 06:56
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