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Primärbedarfsermittlung

Die Primärbedarfsermittlung hat die Aufgabe festzulegen, welche Mengen an Erzeugnissen in einem bestimmten Zeitabschnitt hergestellt bzw. dem Vertrieb bereitgestellt werden sollen. In der Regel sind dabei das Absatzprogramm, die zur Verfügung stehenden Produktionsfaktoren und die Marktnachfrage in Form von Kundenaufträgen zu berücksichtigen.

Die Primärbedarfsermittlung befasst sich mit der Planung und Verwaltung der Mengen an Erzeugnissen und absatzrelevanten Zwischenprodukten, die ein Unternehmen im Planungszeitraum herzustellen beabsichtigt (Produktionsprogramm). Sie stellt die geplante Produktion des Unternehmens bezüglich Spezifikation, Stückzahl und zeitlicher Einordnung dar und muss dabei den Absatzplan, wichtige Restriktionen wie den Lieferrückstand oder die Verfügbarkeit von Material und Kapazität sowie die unternehmenspolitische Zielsetzung berücksichtigen [Jacob 1996; Rosenberg 1993; Streitferdt 1993; Westkämper, Mussbach-Winter, Wiendahl 2004]. Vor allem Erzeugnisse mit großer Auswirkung auf die Beschaffungs- und Leistungskapazität sowie Komponenten mit einer Vielzahl von Varianten oder Verwendungen und/oder langen Produktions- und Beschaffungsdurchlaufzeiten sind hier – ggf. als Repräsentanten für ganze Erzeugnisgruppen – zu analysieren [Dangelmaier 1999].

Die Primärbedarfsermittlung kann zusätzliche Kundenaufträge erst mit einem gewissen Abstand von der Heute-Linie akzeptieren: Dieser Zeitraum wird benötigt, um die Leistungserstellung im betrachteten Unternehmen vollziehen zu können (Reaktionszeit des Produktionssystems). Dabei ist bei Massenfertigung lediglich der Versand, bei einem Einzelfertiger dagegen zusätzlich Einkauf und Fertigung zu berücksichtigen.

Soll die Primärbedarfsermittlung in einem mehrstufigen Produktionsprozess auch die frühen Stufen des Bearbeitungsprozesses mit einer Bedarfsaussage versorgen, muss sie sich über einen entsprechenden Mindestzeitraum erstrecken. Diesen Sachverhalt zeigt Abbildung 1. Andernfalls muss auf jeder Produktionsstufe der Bedarf separat geschätzt werden.

Mindestzeiträume

Abb. 1: Mindestzeiträume für die Primärbedarfsermittlung

Abbildung 2 zeigt die Primärbedarfsverwaltung vor diesem Hintergrund. Im ersten Fall können in allen Zeitabschnitten (weitere) Kundenaufträge bis zur vollständigen Ausschöpfung der Primärbedarfsschätzung akzeptiert werden (Available to promise (ATP)). Im zweiten Fall können in den beiden ersten Zeitabschnitten keine zusätzlichen Kundenaufträge eingetragen werden. Dann kann für diese Zeitabschnitte auch nicht mehr der Anspruch aufrechterhalten werden, dass sich die Primärbedarfsprognose noch erfüllen wird. Die Bestandsrechnung berücksichtigt daher nur die tatsächlich in der Vergangenheit eingegangenen Kundenaufträge. Für die Zeitabschnitte 3 ff wird dagegen angenommen, dass noch Kundenaufträge bis zur Höhe der Prognose eintreffen werden. Beispielhaft wird davon ausgegangen, dass nicht realisierter Primärbedarf verfällt. Für Fall 3 wird angenommen, dass die eingefrorene Zone die ersten 8 Zeitabschnitte umfasst. 

Eingefrorene Zonen

Abb. 2: Primärbedarfsermittlung mit unterschiedlichen eingefrorenen Zonen

Literatur

Dangelmaier, Wilhelm: Fertigungsplanung. Planung von Aufbau und Ablauf der Fertigung. Berlin : Springer, 1999.

Jacob, Herbert: Produktions- und Absatzprogrammplanung. In: Kern, Werner; Schröder, Hans-Horst; Weber, Jürgen (Hrsg.): Handwörterbuch der Produktionswirtschaft. 2. Aufl., Stuttgart : Schäffer-Poeschel, 1996, S. 1468.

Rosenberg, Otto: Umsatzplan. In: Chmielewicz, K.; Schweitzer, M. (Hrsg.): Handwörterbuch des Rechnungswesens. 3. Aufl., Stuttgart: Schäffer-Poeschel, 1993, S. 1935 – 1945.

Streitferdt, Lothar: Produktionsprogrammplanung. In: Wittmann, Waldemar; Kern, Werner; Köhler, Richard; Küpper, Hans-Ulrich; Wysocki, Klaus von (Hrsg.): Handwörterbuch der Betriebswirtschaft. 5. Aufl., Stuttgart : Schäffer-Poeschel, 1993, S. 3478 – 3491.

Westkämper, Engelbert; Mussbach-Winter, Ute; Wiendahl, Hans-Hermann: Material Requirement Planning (MRP). In: Koether, Reinhard. (Hrsg.): Taschenbuch der Logistik.  München : Hanser, 2004, S. 90.

 

Autor


 

Prof. Dr.-Ing. habil. Wilhelm Dangelmaier, Universität Paderborn, Heinz-Nixdorf-Institut, Wirtschaftsinformatik, insb. CIM, Fürstenallee 11, 33102 Paderborn

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Zuletzt bearbeitet: 31.10.2012 19:50
Letzter Abruf: 18.12.2017 08:11
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