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Lagerbestandsführung

Die Lagerbestandsführung hat den Fluss an Gütern durch einen als Lager definierten Bereich abzubilden, Bestände als Differenz aus Zu- und Abgang auszuweisen sowie Maßnahmen einzuleiten, die sicherstellen, dass einerseits die Bestände korrekt sind und andererseits gewisse vorgegebene Bandbreiten einhalten.

Der Lagerbestand ist der körperliche Bestand an Gütern (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, halbfertige und fertige Erzeugnisse), der sich zum Überprüfungszeitpunkt in einem als Lager deklarierten Bereich befindet [Gabler 1997]. Aufgaben der Lagerbestandsführung sind die Erfassung von Bewegungen (Zugänge, Abgänge, Korrekturen), das Verbuchen dieser Bewegungen (geplante/ungeplante Bewegungen), die Inventur sowie die dispositive Bestandsführung, die neben dem körperlich vorhandenen Bestand Sicherheits-, Vormerk-, Bestell- und Meldebestände betrachtet [Rieper 1996, Inderfurth 1996].

Beim Übergang aus einem (Leistungserstellungs-)Prozess in ein Lager bestehen folgende Aussagemöglichkeiten:

  • Der Zugang entspricht dem geforderten Zustand.
  • Der Zugang kann den geforderten Zustand nicht erreichen (Ausschuss)
  • Der Zugang kann den geforderten Zustand noch erreichen (Nacharbeit)
  • Der Zugang ist keinem dieser Zustände zuzuordnen (gesperrter Bestand)

Für die Überwachung von Lagerzu- und –abgang besteht die Möglichkeit, ereignisorientiert bei Ist-Zugang/-Abgang zu kontrollieren [Liesegang 1993]. Dann wird bei einer Plan/Ist-Abweichung ggf. zu spät reagiert. Dasselbe gilt für die ereignisabhängige Auslösung der Kontrolle bei Plan-Zugang/-Abgang. Deshalb muss die Kontrolle bei dem jeweils früheren der beiden Werte oder aber zyklisch in vergleichsweise kleinen Zeitabständen ausgelöst werden.

Der verfügbare Lagerbestand ist derjenige Teil des Lagerbestands, der zur Bedarfsdeckung eingesetzt werden kann. Er berechnet sich zu Lagerbestand + Bestellbestand – Vormerkbestand – Sicherheitsbestand.

Der Bestellbestand ist der Bestand an noch nicht gelieferten Bestellungen (interne Betriebsaufträge oder externe Bestellungen). Der Vormerkbestand (reservierter Bestand) umfasst denjenigen Bestand, der für bestimmte Aufträge zu einem festgelegten Termin aus dem Lager entnommen werden soll. Über ihn kann nicht mehr verfügt werden. Werden Güter einer Güterklasse für mehrere Verbraucher reserviert, erfolgt dies ohne physische Kennzeichnung nur informationstechnisch dann, wenn nur ganze Transportlose reserviert und weitergegeben werden (kein Kommissionieren). Wenn die weitergegebenen Transportlose sich bspw. bei einer Einzelfertigung unterscheiden, muss physisch reserviert werden.

Der Sicherheitsbestand ist der für die Risikoabdeckung vorgesehene Anteil am Lagerbestand [Diruf 1993]. Ein fester Sicherheitsbestand bietet sich zur Abdeckung des Bestandsrisikos an. Ein bedarfsabhängiger Sicherheitsbestand bedeutet, dass früher geliefert als verbraucht und der Sicherheitsbestand mit umgeschlagen wird.

Der Meldebestand (Bestellpunkt) beschreibt die Bestandshöhe, bei der eine Bestellung auszulösen ist. Er berechnet sich aus (Verbrauch während der Wiederbeschaffungszeit + Sicherheitsbestand).

Literatur

Diruf, Günther: Lagerhaltungsstrategien und –modelle. In: Wittmann, Waldemar; Kern, Werner; Köhler, Richard; Küpper, Hans-Ulrich; Wysocki, Klaus von (Hrsg.): Handwörterbuch der Betriebswirtschaft. 5. Aufl., Stuttgart : Schäffer-Poeschel 1993, S. 2516 – 2529.

Gabler Wirtschaftslexikon. 14. Aufl., 1997, S. 2369.

Inderfurth, Karl: Lagerhaltungsmodelle. In: Kern, Werner; Schröder, Hans-Horst; Weber, Jürgen (Hrsg.): Handwörterbuch der Produktionswirtschaft. 2. Aufl., Stuttgart : Schäffer-Poeschel, 1996, S. 1024 - 1037.

Liesegang, Dietfried G.: Lagerhaltung. In: Wittmann, Waldemar.; Kern, Werner; Köhler, Richard; Küpper, Hans-Ulrich; Wysocki, Klaus von (Hrsg.): Handwörterbuch der Betriebswirtschaft. 5. Aufl., Stuttgart : Schäffer-Poeschel, 1993, S. 2507 – 2516.

Rieper, Bernd: Lagerhaltungsplanung. In: Kern, Werner; Schröder, Hans-Horst; Weber, Jürgen (Hrsg.): Handwörterbuch der Produktionswirtschaft. 2. Aufl., Stuttgart : Schäffer-Poeschel, 1996, S. 1038 - 1046.

 

Autor


 

Prof. Dr.-Ing. habil. Wilhelm Dangelmaier, Universität Paderborn, Heinz-Nixdorf-Institut, Wirtschaftsinformatik, insb. CIM, Fürstenallee 11, 33102 Paderborn

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Zuletzt bearbeitet: 31.10.2012 20:53
Letzter Abruf: 27.05.2017 08:16
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