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Wissenslandkarte

In diesem Beitrag wird ein modernes Instrument des Wissensmanagements, Wissenslandkarten oder Wissenskarten (knowledge maps), beschrieben. Der Beitrag erläutert, welche Arten von Wissenslandkarten unterschieden werden können und verweist auf interaktive online Beispiele. Der Beitrag zeigt inbesondere Vor- und Nachteile von verschiedenen Formen von Wissenslandkarten auf.

Wissenslandkarten sind (meist) interaktive, graphische Verzeichnisse oder Referenzstrukturen, mittels deren Experten, Dokumente, Patente, oder andere Wissensträger oder Domänen identifiziert und z.T. auch kontaktiert oder bewertet werden können.

Wissenslandkarten referenzieren Wissen in einer graphischen Form und ermöglichen so einen Überblick über ein Wissensgebiet, einen Prozess oder eine Gruppe von Experten. Sie verweisen nicht nur auf Wissensquellen, sondern stellen diese auch in einen expliziten (Anwendungs-) Zusammenhang. Diese Art von Wissenslandkarten wird meist im Kontext von -> Wissensmanagement-Initiativen in Betrieben eingesetzt (z.B. auf Basis eines Expertenverzeichnisses oder von -> yellow pages).

Die Englische Bezeichnung von Wissenslandkarten ist knowledge map. Dieser Begriff wird jedoch auch in anderen Gebieten, wie beispielsweise der Psychologie, verwendet und bezeichnet dort die graphische Abbildung eines mentalen Modells.

Wissenslandkarten können (voll- oder halb-) automatisiert (z.B. mit Hilfe von Ontologien und topic maps) oder persönlich bzw. im Team erstellt werden, wobei letzere Erstellungsweise erhebliche Wartungs- und Qualitätsprobleme mit sich bringen kann.

Darstellungstechniken für Wissenslandkarten reichen von geographischen Landkarten, über diagrammatische Abbildungen (wie etwa Matrizen, Venn-Diagramme oder Mind Maps) bis hin zu visuellen Metaphern (wie etwa ein Haus, ein Sonnensystem oder ein fiktiver Kontinent).

In Bezug auf die dahinterliegenden Technologien können Wissenslandkarten in geographischer Form als wiki maps oder google maps realisiert werden. Bei diagrammatischen Formen empfiehlt sich die Umsetzung als HTML-Seiten mit integrierten Hyperlinks und dahinterliegender Datenbank. Erstellungswerkzeuge für derartige interaktive Wissenslandkarten sind beispielsweise Visio von Microsoft, lets-focus von reflact oder auch Thebrain.

In Bezug auf ihren Hauptzweck können folgende Typen von Wissenslandkarten unterschieden werden:

  • Wissensquellenkarten identifizieren Dokumente und Wissensbanken
  • Wissensträgerkarten referenzieren Einzelexperten und Expertengruppen bzw. Fach-Communities (sowie deren Beziehungen)
  • Wissensstrukturkarten erklären die Komponenten einer Wissensdomäne (z.B. Bestandteile einer bestimmten Kompetenz)
  • Wissensanwendungskarten zeigen anhand von Geschäftsprozessen den Einsatz von spezifischen Fertigkeiten oder Methoden
  • Wissensbewertungskarten zeigen graphische Evaluationen von bestehendem Know-how und ermöglichen Vergleiche (z.B. zwischen Personen oder Kompetenzgebieten)
  • Wissensentwicklungskarten zeigen die Entwicklungsstufen zur schrittweisen Entwicklung einer Kompetenz auf (im Sinne von individuellen oder kolektiven Lernpfaden)
  • Wissensflusskarten stellen die Wissensaustauschbeziehungen zwischen Personen oder Abteilungen dar.

Beispiele von interaktiven online Wissenslandkarten finden sich etwa unter http://www.unisi.ch/en/knowledgedomainmap.htm oder http://www.visual-literacy.org/pages/documents.htm.

 

Literatur

Eppler, M: Nützliche Instrumente des Wissensmanagements – Wissenskarten: Führer durch den Wissensdschungel, in: Gablers Magazin, Nr. 8, 1998.

Eppler, M. & Burkhard, R.: Visual Representations in Knowledge Management: framework and cases, in: Journal of Knowledge Management, 4(11), 2007, S. 112-122.

Eppler, M.: A Process-based Classification of Knowledge Maps, in: Journal of Process and Knowledge Management, 15(1) , 2008, S. 59 - 71.

Eppler, M.: Wissensvisualisierung in e-learning und Wissensmanagement, in: Zeitschrift für e-Learning, 1/2007, S. 7-21.

Heng, S.H.: Mapping intellectual capital in a small manufacturing enterprise, in: Journal of Intellectual Capital, 2(1), 2001, S. 53-60.

Vail., E.F.: Knowledge Mapping: Getting Started with Knowledge Management, in: Information Systems Management, 16(4), September 1999 , S. 1 - 8  

Wexler, M.N.: The who, what and why of knowledge mapping, in: Journal of Knowledge Management, 5(3), S. 249-63.

 

Autor


 

Prof. Dr. Martin J. Eppler Lehrstuhl für Medien- und Kommunikationsmanagement MCM Institut Universität St. Gallen Blumenbergplatz 10 9000 St. Gallen

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Zuletzt bearbeitet: 31.10.2012 21:05
Letzter Abruf: 25.04.2017 04:53
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