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Wissensmanagement, Einführungsstrategien des

Prinzipiell wird zwischen Top-down und Bottom-up unterschieden. Beide verfolgen unterschiedliche Zielsetzungen, wobei sie nicht konkurrieren, sondern sich ergänzen. Somit sind es keine zwei streng von einander getrennte Pole, sondern vielmehr ein Kontinuum aus dem ein organisationsindividuelle Strategie-Mix zu kombinieren ist.

Einführungsstrategien

Wissensmanagement-Modelle, insbesondere Vorgehensmodelle, sind in verschiedene Einführungsstrategien eingebunden. Ein Großteil der Wissensmanagement-Modelle ist im Kern als Top-down-Ansatz konzipiert. Daneben existieren weitere Einführungsstrategien, die eine unternehmensindividuelle Einführung fördern sollen.

Top-down

Das Top-Management setzt das Thema Wissensmanagement auf die strategische Agenda und steht somit für Engagement und Ernsthaftigkeit des Gesamtprojekts [Bick 2004, S. 61]. Dementsprechend setzt der Top-down-Ansatz eine zentral vorgegebene langfristige Strategie voraus, die von höchster Ebene vertreten und durchgesetzt wird. Langfristigkeit bedeutet, dass Wissensmanagement eine dauerhafte Aufgabe ist, von der Unternehmensführung unterstützt werden muss und einzelne Komponenten, wie zum Beispiel der Aufbau einer Wissenskultur, zum Teil einen nicht zu unterschätzenden zeitlichen Aufwand benötigen. Die Unternehmensführung plant die langfristigen Wissensziele und gibt sie in Form eines Rahmenplans den hierarchisch darunter liegenden Planungsebenen vor [Hippner 2001, S. 223]. Somit wird die konsequente Ausrichtung auf die übergeordnete Unternehmensstrategie gesichert und ermöglicht, den Überblick über die Strukturen zu bewahren und organisatorische Einheiten in Beziehung zu setzen (Abbildung 1). Es besteht jedoch die Gefahr, dass sich die Pläne auf den unteren Ebenen als undurchführbar erweisen. Dies gilt insbesondere, wenn die Bedürfnisse der Organisationsmitglieder im Allgemeinen und deren Wissen im Speziellen vernachlässigt werden, so dass unter Umständen keine ausreichende Realitätsnähe besteht.

Bottom-up

Beim Bottom-up-Ansatz beginnt die Planerstellung auf der untersten Ebene, die dann schrittweise auf den höheren Planungsebenen angepasst und zu einem Rahmenplan zusammengefasst wird. Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass der Informationsstand und die Erfahrungen der betroffenen Mitarbeiter während der Einführung genutzt werden können. Dies kann sich motivierend auf die Mitarbeiter auswirken, sie fühlen sich eingebunden und als ein wichtiger Bestandteil der Unternehmung. Des Weiteren kann Wissensmanagement so direkt an einen konkreten Nutzen im Tagesgeschäft, wie beispielsweise in Vertrieb oder Produktion, gebunden werden [Bick 2004, S. 62]. Der mögliche Nachteil der Planrealisierung des Top-down-Ansatzes wird hier relativiert, so dass die Möglichkeit der Durchsetzbarkeit und der Zielerreichung steigen (Abbildung 1). Nachteilig am Bottom-up-Ansatz ist der erhöhte Koordinationsbedarf sowie dass der Bezug zur Unternehmensstrategie sichergestellt werden muss. Die Ziele sind möglichst kurz- bis mittelfristig zu gestalten. Im Gegensatz zum Top-down-Vorgehen steht hier das Aufzeigen schneller Erfolge (Quick Wins) im Vordergrund. Es bietet sich an, die Rahmenplanung in kleineren Projekten zu organisieren, innerhalb derer die einzelnen Dimensionen festgelegt werden. Mit diesen kleineren Projekten sollen Ziele und damit Erfolgserlebnisse schneller realisiert werden und so motivierend auf die Mitarbeiter wirken [Hippner 2001, S. 223].

Strategie-Mix

Der Schwerpunkt des Top-down-Ansatzes liegt in der Ausgestaltung der korrespondierenden Rahmenbedingungen entlang der Gestaltungsdimensionen eines ganzheitlichen Wissensmanagement. Mit Hilfe eines Bottom-up-Ansatzes wiederum wird die kurzfristige Umsetzung von Handlungsempfehlungen unterstützt. Dabei darf die die Einführung von Wissensmanagement jedoch nicht in kleinen, voneinander isolierten Projekte enden [Hippner 2001, S. 223]. Dementsprechend erscheint eine Kombination der beiden Strategien, ähnlich dem von Nonaka und Takeuchi [Nonaka, Takeuchi 1997, S. 141 ff.] vorgeschlagenen Middle-up-down-Ansatz, in einem Strategie-Mix vielversprechend [Bick 2004, S. 63]. Einerseits wird die strategische Einbettung des Wissensmanagement sowie die Unterststützung durch das Top-Management gewährleistet. Anderseits kann die mittlere Führungsebene als Übersetzer zwischen strategischer und operativer Ebene miteinbezogen werden [North 1999, S. 127], so dass die jeweilige Umsetzung von Wissensmanagement auch auf operativer Ebene in kleinen Schritten realisiert werden kann. Abbildung 1 verdeutlicht das Vorgehen bzw. die jeweilige Positionierung innerhalb eines Strategie-Mix von Top-down und Bottom-up.

 Einführungsstrategien

 Abb. 1: Strategie-Mix zur Einführung von Wissensmanagement [Bick 2004, S. 63]

 

Literatur

Bick, Markus: Knowledge Management Support System : Nachhaltige Einführung organisationsspezifischen Wissensmanagements. Universität Duisburg-Essen, Dissertation, 2004.

Hippner, Hajo.: Wissensmanagement in der Langfristprognostik. Lohmar : Eul, 2001.

North, Klaus: Wissensorientierte Unternehmensführung : Wertschöpfung durch Wissen. 2. Auflage. Wiesbaden : Gabler, 1999.

Nonaka, Ikujiro ; Takeuchi, Hirotaka: Die Organisation des Wissens: Wie japanische Unternehmen eine brachliegende Ressource nutzbar machen. Frankfurt/Main : Campus, 1997.

 

Autor


 

Prof. Dr. Markus Bick, ESCP-EAP Europäische Wirtschaftshochschule Berlin, Juniorprofessur für Wirtschaftsinformatik, Heubnerweg 6, 14059 Berlin

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Zuletzt bearbeitet: 31.10.2012 19:07
Letzter Abruf: 14.12.2017 05:31
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