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Potsdamer Wissensmanagement-Modell

Norbert Gronau (unter Mitarbeit von Julian Bahrs, Edzard Weber)

Ziel des Potsdamer Wissensmanagementmodells ist die Definition und Dokumentation eines ganzheitlichen Verständnisses von Wissensmanagement. Ausgangspunkt für die Entwicklung des Modells war die Notwendigkeit, die Tätigkeiten eines Wissensarbeiters eindeutig von den Aufgaben des Wissensmanagements (und im Weiteren auch von den Aufgaben des General Management) abgrenzen zu können. Es sollte ein Bezugsrahmen geschaffen werden, in den Maßnahmen des Wissensmanagements hinsichtlich ihrer Reichweite, ihres Managementbezugs und ihrer organisatorischen Bedeutung eingeordnet werden können. Wissensaktivitäten übernimmt ein Wissensarbeiter bei der Bearbeitung einer Aufgabe, die zu ihrer Bewältigung Wissen erfordert.

Das Potsdamer Wissensmanagementmodell stellt ein Bezugsrahmen dar und möchte ein Grundverständnis für das betriebliche Wissensmanagement vermitteln [Gronau et al. 2009]. Ein einheitliches Erklärungsmodell ist (nicht nur) im Kontext von Wissensmanagementprojekten unerlässlich. Existiert dieses nicht, entstehen unterschiedliche Erwartungshaltungen, Kommunikationsprobleme durch unterschiedliche Begriffsverständnisse oder eine unscharfe Abgrenzung des relevanten Projektumfeldes.

Zentrale Elemente des Potsdamer Wissensmanagementmodells sind:

  • Eine Definition des Begriffes Wissen
  • Eine Definition des Begriffes Wissensmanagement
  • Die elf Aufgaben des Wissensmanagements
  • Das Ordnungssystem für Aufgaben des Wissensmanagements
  • Die unterschiedlichen Arten von Rahmenbedingungen und Handlungsgegenständen, mit denen sich Maßnahmen zur Verrichtung von Aufgaben des Wissensmanagements auseinanderzusetzen haben.

Dem Modell liegt folgender Wissensbegriff zugrunde: Wissen ist personengebunden. Es entsteht in Personen und wird von Personen angewendet. Es kann auf Daten und Informationen basieren und stellt eine veränderliche Mischung von eingeordneter Erfahrung, Wertvorstellungen, Kontextinformationen und fachmännischer Einsicht dar, das einen Rahmen für die Bewertung und Verinnerlichung von Erfahrung und Information liefert (nach [Davenport, Prusak 1998, S. 5]).

Betriebliches Wissensmanagement kann charakterisiert werden durch die Anregung zu einer nachhaltigen und effizienten Umwandlung von Wissen mit Konzentration auf die Unternehmens- und Prozessziele und durch die Verbreitung von Informationen über den Zugang zu Wissen.

Diese beiden Begriffsdefinitionen stellen die Grundlage des Bezugsrahmens dar. Die elf Aufgaben des Wissensmanagement definieren die Klassen von Maßnahmen, die im Kontext von Wissensmanagement relevant sind. Diese lassen sich über drei Merkmale differenzieren: die ablauforganisatorische, die aufbauorganisatorische und die personelle Reichweite. Jede Maßnahme unterliegt technischen, organisatorischen, kulturellen, ökonomischen, rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen, welche wiederum Handlungsgegenstand der Maßnahme sein können.

Die Aufgaben des Wissensmanagements werden durch Maßnahmen realisiert. Dabei ist die Auswahl, Anpassung und Einführung der Maßnahmen bereits Teil der Aufgabe. Die Maßnahmen beeinflussen die Gestaltungsbereiche des Wissensmanagements in individueller Art und Weise. Die Maßnahmen sind daher weder vollständig umzusetzen noch frei von Wechselwirkungen untereinander. Gleichzeitig bilden sie die Schnittstelle zu den Wissensaktivitäten.

Als Aufgaben des Wissensmanagements werden angesehen:

  • Wissen erwerben
  • Wissen bewahren
  • Wissen verteilen
  • Wissen für die Nutzung aufbereiten
  • Wissen transparent machen
  • Wissensanwendung fördern
  • Wissen identifizieren
  • Wissensbedarf ermitteln
  • Wissensstrategie festlegen
  • Wissen bewerten
  • Wissen bereinigen

Im Gegensatz zu den Wissensmanagementaufgaben werden Wissensaktivitäten als integrierter Bestandteil von Geschäftsprozessen von den Akteuren ausgeführt. Sie beschreiben den operativen Umgang mit Wissen. Akteure, die besonders viele oder wichtige Wissensaktivitäten ausführen, werden als Wissensarbeiter bezeichnet.

Eine Gesamtdarstellung des Potsdamer Wissensmanagementmodells visualisiert Abbildung 1.

P-Modell

Abb. 1: Das Potsdamer Wissensmanagement-Modell

Literatur

Davenport, T.; Prusak, L.: Wenn Ihr Unternehmen wüßte, was es alles weiß. Das Praxisbuch zum Wissensmanagement. MI, 1998.

Gronau, Norbert; Bahrs, Julian; Fröming, Jane; Müller, Claudia; Schmid, Simone; Weber, Edzard: Wissen prozessorientiert managen. Methoden und Werkzeuge für die Nutzung des Wettbewerbsfaktors Wissen in Unternehmen. Oldenbourg (München), 2009.

Autor


 

Prof. Dr. Norbert Gronau, Universität Potsdam, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Electronic Government, August-Bebel-Strasse 89, 14482 Potsdam

Autoreninfo


Zuletzt bearbeitet: 14.02.2017 18:38
Letzter Abruf: 22.08.2017 05:35
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