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Innovationsmanagement

Dieser Beitrag beschreibt die Bedeutung von Innovationen und die Aufgaben des Innovationsmanagements. In einem Modell für ein ganzheitliches Innovationsmanagement werden die zentralen Dimensionen zusammengefasst und aufeinander abgestimmt.

Bedeutung von Innovationen

Innovationen sind im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen von entscheidender Bedeutung [Edler, Meyer-Kramer, Reger 2002]. Diese werden in der Literatur auf sehr vielfältige Weise definiert. Porter (1990) versteht z. B. unter einer Innovation die Generierung von neuem Wissen und dessen Umsetzung in neue Produkte, Dienstleistungen, Geschäftsmodelle. Der Begriff Innovation trägt von seiner etymologischen Herkunft lediglich das ‚Neue‘ bzw. die ‚Neuerung‘ in sich. Fälschlicherweise werden Innovationen daher häufig mit Inventionen (Erfindung, neue Idee) gleichgesetzt. Nach Schumpeter (1961) und Porter (1990) enthalten Innovationen im Gegensatz zu Inventionen jedoch eine wirtschaftliche Dimension. Erst durch die ökonomische Nutzbarmachung des ‚Neuen‘ wird eine Invention zu einer Innovation. Ein zentrales Merkmal von Innovationen ist die „wirtschaftliche Verwertbarkeit durch Umsetzung des zugrundeliegenden Wissens“ [Vahs, Burmester 2002, S. 44].

Aufgaben des Innovationsmanagements

Für das Innovationsmanagement ist es wichtig, wie Innovationen über ein strukturiertes Konzept kontinuierlich unterstützen werden können. Folglich müssen die Managementfunktionen Planung, Organisation, Personaleinsatz, Führung und Kontrolle speziell auf den Innovationsbereich zugeschnitten werden. Einerseits ergeben sich daraus Fragen für das normative, strategische und operative Innovationsmanagement. Andererseits müssen die institutionellen und funktionalen Aspekte berücksichtigt werden. Dem Innovationsmanagement kommt dementsprechend die Aufgabe der dispositiven Gestaltung des gesamten Innovationsprozesses zu [Hauschildt, Salomo 2007]. Im Gegensatz zum F&E-/ Technologiemanagement werden alle Aktivitäten bis zur Markteinführung eingeschlossen. Zu den wesentlichen Aufgaben des Innovationsmanagements gehören [Vahs, Burmester 2002]:

  1. Innovationsziele/-strategie zu definieren und zu implementieren
  2. Portfolio an Innovationsprojekten und deren Durchführung zu gestalten
  3. Innovationsprozesse zu planen, steuern, kontrollieren
  4. eine innovationsfördernde Struktur und Kultur aufzubauen
  5. Wissensmanagement/-transfer auf Innovationsanforderungen auszurichten

Ganzheitliches Innovationsmanagement

Bestehende Konzepte des Innovationsmanagements reflektieren diese Aufgaben [z.B. Hauschildt, Salomo 2007, Vahs, Burmester 2002], versäumen jedoch eine integrative Sichtweise der verschiedenen Ebenen zum Gesamtsystem. Das nachfolgende eklektische Modell des Centrums für Entrepreneurship und Innovation der Universität Potsdam (CEIP) baut auf unterschiedlichen Ansätzen auf [Rüegg-Stürm 2003, Schori, Roch, Faoro-Stampfli 2006, Trommsdorff, Steinhoff 2007] und integriert bzw. ergänzt diese (vgl. Abb. 1).

Modell des ganzheitlichen Innovationsmanagements

Abb. 1: Modell des ganzheitlichen Innovationsmanagements

Im Kern dieses Innovationsmanagementmodells steht die Wertschöpfungsebene, die den generischen Innovationsprozess mit seinen kommerziellen und technischen Aspekten umfassen. Der Prozess ist an das Stage-Gate-Modell [Cooper 2002] angelehnt und in Phasen und Meilensteine unterteilt: An den Meilensteinen wird nach festgelegten Kriterien über die Fortführung des Innovationsprojektes entschieden.

Als Integrationsebene werden Aspekte des Innovationsmanagements zusammengefasst, die für den erfolgreichen Ablauf des Innovationsprozesses unabdingbar sind. Das sind z. B. eine geeignete Innovations- und Führungskultur, die Innovationsstrategie, die Organisation von Innovationen oder das Projektmanagement (vgl. Abb. 1).

Der Innovationsoutput kann sich auf Produkt- und Dienstleistungsinnovationen oder auch Prozess-, Organisations- oder Geschäftsmodellinnovationen beziehen, die meist interdependent auftreten. Jede Form des Innovationsoutputs muss mit dem gewünschten Nutzen des internen oder externen Kunden übereinstimmen, damit das Kriterium der wirtschaftlichen Verwertbarkeit erfüllt ist. Insofern bestimmt der Kunde oder Anwender subjektiv über Erfolg oder Misserfolg der Innovation.

Dem Innovationsprozess fernere, aber für seinen Erfolg genauso wichtige Ansätze und Methoden wie Strategische Vorausschau, Patentmanagement oder Wissensmanagement konstituieren abschließend die Unterstützende Ebene des Innovationsmanagements.

Von Closed zu Open Innovation

Ein zukunftsweisender Ansatz in Zeiten der Globalisierung stellt das Open Innovation Paradigma dar [Chesbrough 2003]. Dieser beschreibt die zielgerichtete Öffnung der Innovationsprozesse und strategische Einbindung des Unternehmensumfeldes als zukünftige Erfolgsfaktoren für die Innovationsfähigkeit von Unternehmen. Das Konzept bietet im Innovationsbereich somit vielfältige Differenzierungs- und Wachstumschancen für Unternehmen der verschiedensten Branchen, sofern diese die Herausforderungen und Risiken der Öffnung zu meistern vermögen.

Literatur

 

Chesbrough, Henry: Open Innovation. The New Imperative for Creating and Profiting from Technology. Harvard Business School Press: Boston, Mass., 2003.

Cooper, Robert G.: Top oder Flop in der Produktentwicklung. Wiley-VCH: Weilheim 2002.

Edler, Jakob; Meyer-Krahmer, Frieder; Reger, Guido: Changes in the Strategic Management of Technology: Results of a Global Benchmarking Study. In: R&D Management 32 (2002), Nr. 2, S. 149-164.

Hauschildt, Jürgen; Salomo, Sören: Innovationsmanagement. Vahlen: München 2007.

Porter, Michael E.: The Competitive Advantage of Nations. Macmillan: London et al. 1990.

Rüegg-Stürm, Johannes: Das neue St. Galler Management-Modell: Grundkategorien einer integrierten Managementlehre. Haupt Verlag: Bern 2003.

Schori, Kurtz; Roch, Andrea; Faoro-Stampfli, Marlotte: Innovationsmanagement für KMU. Haupt Verlag: Bern 2006.

Schumpeter, Joseph A.: Konjunkturzyklen: eine theoretische, historische und statistische Analyse des kapitalistischen Prozesses. Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen 1961.

Trommsdorff, Volker; Steinhoff, Fee: Innovationsmarketing. Vahlen: München 2007.

Vahs, Dietmar; Burmester, Ralf: Innovationsmanagement: von der Produktidee zur erfolgreichen Vermarktung. Schäffer-Poeschel: Stuttgart 2002.

Autoren


 

Prof. Dr. oec. Guido Reger, Lehrstuhl für Innovationsmanagement und Entrepreneurship, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Universität Potsdam

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Silvia Adelhelm, Lehrstuhl für Innovationsmanagement und Entrepreneurship, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Universität Potsdam

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Zuletzt bearbeitet: 22.11.2016 17:19
Letzter Abruf: 23.08.2017 02:36
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