Benutzerspezifische Werkzeuge

Content-Management-System

Content-Management-Systeme sind Software-Systeme, welche die Erstellung, Speicherung und Publikation von Inhalten unterstützen. Die Ausgabe der Inhalte ist dabei über das Web oder über Printmedien möglich. Ihr elementares Charakteristikum ist die Trennung von Inhalt und Form (medienneutrale Speicherung).

Begriffe

Im Gegensatz zu dem in der Betriebswirtschaftslehre üblichen Verständnis des Management­begriffs im funktionalen (Planung, Steuerung und Kontrolle der Unternehmensaktivitäten) bzw. institutionellen (organisatorische Stellen mit Weisungs­befugnis) Sinne wird Content Manage­ment in Literatur und Praxis in der Regel als eine Menge von operativen Aufgaben und Prozessen definiert [Rawolle 2001, S. 17]: Content Management umfasst die systematische und strukturierte Beschaffung, Erzeugung, Pflege, Zusammenstellung, Gestaltung, Prüfung, Freigabe, Publikation und Archivierung von Inhalten [Rothfuss/Ried 2003, S. 87 ff., Rawolle 2002, S. 22 f.]. Hinzu kommen die dispositiven Aufgaben der Planung und Kontrolle der bereitgestellten Inhalte und des dazu notwendigen Bereitstellungsprozesse [Rawolle 2002, S. 20 ff.] sowie die unterstützende Aufgaben der Bereitstellung der technischen Infrastruktur für das Content Management. Die nachstehende Abbildung fasst die Aufgaben im Content Management zusammen [Rawolle 2002, S. 23].

CMS_Abb1 

Abb. 1: Aufgaben des Content Management

Das Content Management hat erstmals eine besondere Bedeutung erlangt im Zuge des prominenter werdenden World Wide Web. Damit verbunden bestand die Herausforderung für Unternehmen darin, Inhalte, wie z. B. Produkt- und Unternehmensbeschreibungen, aber auch Nachrichten einerseits über mehrere Kommunikationskanäle (Print, Web) in konsistenter Form zu distribuieren. Andererseits galt es, Webseiten effizient mit Informationen zu bestücken und diese auch pflegen können. Eine neuerliche Aktualität hat das Thema im Zuge des Aufkommens des mobilen Internets erlangt. Die Möglichkeit mit mobilen Endgeräten wie dem Smartphone oder dem Tablet auf Inhalte zuzugreifen hat die Anzahl der mit Inhalten zu bespielenden Kanäle vervielfacht. Neben Printmedien und dem stationären Internet kommen verschiedene mobile Browser als Anzeigemedium sowie Apps und auch E-Books (Hagenhoff 2012) als eigenständige Publikationsmedien hinzu. Das hohe Maß an Heterogenität zwischen den verschiedenen Endgeräten (verschiedene Browser, verschiedene Betriebssysteme, verschiedene Endgeräteklassen wie E-Book-Reader oder Tablets) führt dazu, dass die Anforderungen an das effiziente Bespielen verschiedener Kommunikationsmedien enorm gestiegen sind.

Das Content Management wird mittels Content-Management-Systemen (CMS) unterstützt. Hierbei handelt es sich um eine Menge von anwendungsorientierten Software-Komponenten (Schumann/Hess 1999, S. 77, Büchner et al. 2001, S. 106 ff.), die die oben genannten Funktionalitäten mittels verschiedener Anwendungsmodule bedienen. Wesentliches Kennzeichen der Systeme ist die strenge Trennung von Inhalt und Layout. Dieses Konzept wird mithilfe der medienneutralen Datenhaltung realisiert (Schuster/Wilhelm 2000, S. 373 ff.).

Architektur

Die Grundarchitektur eines Content-Management-Systems ist dreigeteilt [im Folgenden Patrick 1999, S. 5, Rawolle 2002, S. 39 ff.]:

Das Editorial-Modul stellt die Eingabeseite des Systems dar. Mit Hilfe von Verarbeitungswerkzeugen können Inhalte erzeugt und bearbeitet werden. Hierzu sind die benötigten Werkzeuge entweder als proprietäre Lösung Bestandteil des Editorial-Moduls oder aber es werden eigenständige Spezialwerkzeuge (z.B. zur Bildbearbeitung) integriert. Verwaltungswerkzeuge hingegen erlauben den Zugriff auf die erstellten Inhalte. Hierzu sind Such- und Retrievalmechanismen sowie Funktionen zur Zusammenstellung größerer Inhaltebündel vorhanden. Ebenso wird die Steuerung des Prozesses der Inhalterstellung und -publikation vom Editorial-Modul übernommen. Im einfachsten Fall umfasst dieses eine Kontrolle des Zugriffs auf die Inhalte, im komplexeren Fall werden freigabeberechtigte Stellen vom System über neu erstellte Inhalte informiert.

Die erstellten Inhalte werden in einem Content Repository auf Basis eines Datenbankmanagementsystems oder auf Basis eines Dateisystems gespeichert. Insbesondere drei Aspekte sind für die Inhaltespeicherung von Relevanz. Erstens gilt es die erwähnte Trennung von Inhalt und Form auf Ebene der Datenhaltung zu realisieren, indem separat von den eigentlichen Nutzinhalten Formatvorlagen (Templates, z.B. für Webseiten einerseits und die Ausgabe auf mobile Endgeräte andererseits) abgelegt werden. Zweitens müssen die Nutzinhalte mit einer Strukturierung versehen werden, indem der Fließtext um syntaktische, semantische und pragmatische Auszeichnungen (z.B. Überschrift, Abstract, Textteil, Person, Ort) versehen wird. So können Inhaltselemente später an den passenden Stellen der verschiedenen Templates positioniert werden. Drittens stellen dynamische Medientypen eine große Herausforderung dar. Sie entziehen sich einer Speicherung in klassischen relationalen Datenbanken. Eine Lösung kann darin bestehen, dedizierte Server für Medientypen wie Audio oder Bewegtbild einzusetzen und in das Content-Management-System über Schnittstellen zu integrieren.

Die Ausgabeseite des Content-Management-Systems wird durch das Publishing-Modul repräsentiert. Inhalte werden zum einen den Endnutzern über das Web oder andere, für die Darstellung digital vorliegender Informationen geeignete Endgeräte (z.B. Smartphone) angeboten. Hierzu werden die ausgezeichneten Inhalte bei einem Seitenaufruf in die entsprechenden Templates integriert. Zum anderen kann das Publishing-Modul auch der Vorbereitung einer physischen Vervielfältigung von Inhalten und damit der Erzeugung von Printprodukten dienen. Im Rahmen dieser Druckvorbereitung müssen die Arbeitsschritte Seitenvorbereitung, Ausschießen und Farbseparation unterstützt werden.

Die erläuterte Architektur ist nachstehend in ergänzter Form abgebildet [nach Rawolle 2002, S. 103].

CMS_Abb2_Architektur

Abb. 2: Erweiterte Architektur eines Content-Management-Systems

 

Literatur

Büchner, Heino; Zschau, Oliver; Traub, Dennis, Zahradka, Rik: Web Content Management. Galileo Business: Bonn 2001.

Hagenhoff, Svenja: Produktpflege. In: Fedtke, Steven (Hrsg.), Erfolgreich publizieren im Zeitalter des digitalen Buches, Springer Vieweg: Wiesbaden 2012 (im Druck).

Patrick, David A.: XML in der Praxis. Unternehmensübergreifende Vorteile durch Enterprise Content Management. In: NFD 50 (1999) 1, S. 5-12.

Rawolle, Joachim: XML als Basistechnologie für das Content Management integrierter Medienprodukte. Gabler: Wiesbaden 2002.

Rothfuss, Gunter; Ried, Christian: Content Management mit XML. Springer: Berlin 2003.

Schumann, Matthias; Hess, Thomas.: Content-Management für Online-Informationsangebote. In: Schumann, Matthias, Hess, Thomas (Hrsg.): Medienunternehmen im digitalen Zeitalter. Gabler: Wiesbaden 1999, S. 69-87.

Schuster, Erwin; Wilhelm, Stephan: Content Management. In: Informatik Spektrum 23 (2000), S. 373–375.

 

Autor


 

Prof. Dr. Svenja Hagenhoff, Professorin für E-Publishing und Digitale Märkte, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Katholischer Kirchenplatz 9, 91054 Erlangen

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Zuletzt bearbeitet: 31.10.2012 23:20
Letzter Abruf: 29.06.2017 14:35
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