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IT-Infrastruktur

IT-Infrastruktur bezeichnet alle materiellen und immateriellen Güter, die den Betrieb von (Anwendungs-) Software ermöglichen.

Der Begriff IT-Infrastruktur ist nicht einheitlich definiert. Dies liegt im historischen Gebrauch des Begriffs ‚Infrastruktur‛ und dessen Herkunft (‚infra’: Lateinisch für ‚unterhalb‛) begründet. Es lassen sich zwei Sichten auf die IT-Infrastruktur sowie mehrere Ebenen unterscheiden (s. Abb. 1).

IT-Infrastruktur_V2

Abb. 1: Sichten und Ebenen der IT-Infrastruktur

Infrastruktur

Ursprünglich bezeichnete ‚infrastructure‛ erdgebundene Anlagen, die der Mobilität dienen, z. B. die Bahnhöfe und Brücken der französischen Eisenbahn (französischer Sprachraum, seit 1875) oder die Kasernen und Radarstationen der NATO (englischer Sprachraum, seit 1950) [Frey 1988, van Laak 1999]. Vor allem politisch motiviert setzte sich später im deutschsprachigen Raum ein erweitertes Begriffsverständnis durch, das Infrastruktur definiert als „die Gesamtheit der materiellen, institutionellen und personalen Anlagen, Einrichtungen und Gegebenheiten, die den Wirtschaftseinheiten im Rahmen einer arbeitsteiligen Wirtschaft zur Verfügung stehen“ [Jochimsen 1966, S. 145]. Materiell umfasst die Infrastruktur z. B. Anlagen und Ausrüstungen der Energieversorgung und des Verkehrs, institutionell die Gesamtheit der gesetzlichen Normen, Einrichtungen und Verfahrensweisen und personell die Anzahl von Menschen und deren Fähigkeiten.

Gemeinsam ist diesen Begriffsverständnissen, dass es sich bei Infrastruktur um langlebige Güter handelt, die eine Vielzahl von Nutzungen ermöglichen bzw. einschränken. Die unterschiedlichen Arten von Gütern, die zur Infrastruktur gezählt werden, führen zu den folgenden zwei Sichten auf die IT-Infrastruktur:

IT-Infrastruktur aus technischer Sicht

Technisch besteht die IT-Infrastruktur aus Hardware, Software sowie baulichen Einrichtungen für den Betrieb von (Anwendungs-) Software [OGC 2007, S. 199]. Zur Hardware gehören die Rechentechnik (z.B. Computer, Storage-Systeme), die Netzwerktechnik (z. B. Switches, Kabel), Peripheriegeräte (z. B. Tastatur, Belegleser, Bildschirm, Drucker, Scanner) sowie Geräte zum Betrieb der Hardware (z. B. Racks, unterbrechungsfreie Stromversorgungen). Immaterieller Bestandteil der IT-Infrastruktur ist die Software, vor allem die Systemsoftware (z.B. Betriebssysteme). Außerdem umfasst die IT-Infrastruktur als bauliche Einrichtungen die speziell für die Informationstechnik ausgestatteten Räumlichkeiten (z. B. Rechenzentrumsgebäude mit spezieller Klimatechnik, Verkabelung und Schutztechnik).

Das Konzept ‚Infrastructure as a Service‛ repräsentiert vor allem diese technische Sicht auf IT-Infrastruktur.

IT-Infrastruktur aus Sicht des Informationsmanagements

Das Informationsmanagement erweitert die technische Sicht auf die IT-Infrastruktur um institutionelle und personelle Gegebenheiten [Heinrich/Heinzl/Roithmayr 2004, S. 15]. In Anlehnung an das übliche deutsche Begriffsverständnis gehören institutionell zur IT-Infrastruktur Gesetze und Normen (z. B. Datenschutzrichtlinien) sowie organisatorische Strukturen (z. B. IT-Lenkungsausschuss, IT-Abteilung), die Einfluss auf die technische IT-Infrastruktur haben. Personell schließt die IT-Infrastruktur die Anzahl und das Know-how der Mitarbeiter ein, die für die Planung, Wartung und den Betrieb der IT-Infrastruktur benötigt werden (z. B. Administratoren, Schulungsleiter).

Die IT-Infrastruktur aus der Sicht des Informationsmanagements wird auch Informationsinfrastruktur [Heinrich/Stelzer 2009, S. 13] genannt.

Ebenen der IT-Infrastruktur

Die beschriebenen Sichten gehen vor allem davon aus, dass die IT-Infrastruktur den Betrieb von Anwendungssoftware ermöglicht. Aufgrund der Herkunft des Begriffs ‚Infrastruktur‛ ist es jedoch möglich, jede Ebene der IT-Infrastruktur als ‚Nutzung‛ zu betrachten (z. B. die Middleware als Bestandteil der Systemsoftware) und die unter ihr liegende(n) Ebene(n) als IT-Infrastruktur (z. B. Betriebssystem, Netzwerkknoten).

Bei der Virtualisierung [Baun/Kunze/Ludwig 2009] wird spezielle systemnahe Software genutzt, um Hardware (als virtuelle Maschine) und deren Systemsoftware (das Gastbetriebssystem) nachzubilden. Die Virtualisierungssoftware kann auf einem vollwertigen Betriebssystem aufsetzen (z.B. Hypervisoren vom Typ 2) oder direkt auf der Hardware (z.B. Hypervisoren vom Typ 1). Insgesamt wird die technische IT-Infrastruktur durch die Virtualisierung vollständig immateriell, und ihre Ebenen lassen sich nur noch schwer trennen.

 

Literatur

Baun, Christian; Kunze, Marcel; Ludwig, Thomas: Servervirtualisierung. In: Informatik Spektrum 32 (2009), S. 197-205.

Frey, René L.: Infrastruktur. In: Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft, UTB für Wissenschaft, Bd. 4. Stuttgart et al. : Vandenhoeck & Ruprecht, 1988, S. 200-215.

Heinrich, Lutz J., Heinzl, Armin, Roithmayr, Friedrich: Wirtschaftsinformatik-Lexikon. 7. Auflage. München/Wien : Oldenbourg, 2004.

Heinrich, L.-J.; Stelzer, D.: Informationsmanagement: Grundlagen, Aufgaben, Methoden. 9. Aufl.. MünchenWien : Oldenbourg, 2009

Jochimsen, Raimut: Theorie der Infrastruktur. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), 1966.

Office of Government Commerce (OGC): ITIL – The Official Introduction to the ITIL Service Lifecycle. London: Stationary Office, 2007.

van Laak, Dirk: Der Begriff „Infrastruktur“ und was er vor seiner Erfindung besagte. In: Archiv für Begriffsgeschichte, Bd. 41 (1999), S. 280-299.

Autoren


 

Prof. Dr. Susanne Patig, IWI, Universität Bern, Engehaldenstrasse 8, CH-3012 Bern, Switzerland

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Dipl. Wirtschaftsinformatiker André Zwanziger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Very Large Business Applications Lab, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg

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Dipl. Wirtschaftsinformatiker Sebastian Herden, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Very Large Business Applications Lab Magdeburg, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

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Zuletzt bearbeitet: 25.10.2012 12:42
Letzter Abruf: 23.06.2017 19:39
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