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Wirtschaftsinformatik-Studiengänge an Universitäten

Wirtschaftsinformatik-Studiengänge sowie andere Studiengänge mit WI-Anteil gibt es in zahlreichen Formen. Der Beitrag beschreibt die wichtigsten: Bachelor- und Master-Programme mit WI-Abschluss sowie solche mit einem Abschluss in Betriebswirtschaftslehre oder Informatik.

Einführung

Wirtschaftsinformatik (WI) kann in verschiedenen Formen studiert werden. Es gibt eigenständige WI-Studiengänge, Kombinationsstudiengänge bzw. Studiengänge mit hohem Wirtschaftsinformatik-Anteil sowie Studiengänge anderer Fachrichtungen, in denen Wirtschaftsinformatik-Komponenten enthalten sind. Die Breite des Spektrums wird deutlich, wenn man das Ausbildungsangebot von 69 deutschsprachigen Universitäten im Studienführer Wirtschaftsinformatik [Frank 2009] betrachtet.

Im Folgenden werden die wichtigsten institutionellen Ausprägungen dargestellt. Entsprechend der Verankerung der Wirtschaftsinformatik als interdisziplinäres Fach zwischen Betriebswirtschaftslehre (BWL) und Informatik liegt der Schwerpunkt auf WI-, BWL- und Informatik-Studiengängen. Die Inhalte der Wirtschaftsinformatik-Ausbildung sind in einem eigenen Lexikonstichwort beschrieben. Die Begriffe Studiengang und Programm werden synonym verwendet.

Studiengänge mit Abschluss in Wirtschaftsinformatik

Bachelor-Programme

"Wirtschaftsinformatik im engeren Sinne" umfasst Lehrinhalte, die Erkenntnisgegenstände der Betriebswirtschaftslehre und der Informatik miteinander verbinden und bei diesen "Mutterdisziplinen" nicht (oder nicht aus der integrativen Perspektive der Wirtschaftsinformatik) gelehrt werden.

Bachelor-Programme in Wirtschaftsinformatik führen zum Abschluss Bachelor of Science (B.Sc.), vereinzelt auch zum Bachelor of Arts (B.A.), und dauern meist sechs Semester. Als grundständige Studiengänge sollten sie laut der von der Wissenschaftlichen Kommission Wirtschaftsinformatik (WKWI) herausgegebenen "Rahmenempfehlung für die Universitätsausbildung in Wirtschaftsinformatik" die drei Säulen Wirtschaftsinformatik im engeren Sinne, Wirtschaftswissenschaften und Informatik mit gleichem Gewicht umfassen. Rechnet man die Grundlagen- und Hilfsfächer (Mathematik, Operations Research, Statistik, Verhaltenswissenschaften und Wirtschaftsrecht) als vierte Säule hinzu, sollte jede Säule etwa mit 25 % im Studienplan verankert sein [Fachkommission 2007, S. 322].

Bei den real existierenden Bachelor-Programmen ist dieses Verhältnis nicht immer so realisiert, teils aus Kapazitätsgründen, teils zur individuellen Profilierung. In der Regel kann man aber davon ausgehen, dass die vier Säulen näherungsweise vorhanden sind.

Konsekutive Master-Programme

Konsekutive Master-Programme bauen inhaltlich auf einem vorausgegangenen Bachelorstudium in Wirtschaftsinformatik auf. Die Gesamtdauer beträgt zusammen i.d.R. zehn Semester. Ein konsekutives Master-Programm behandelt meist fortgeschrittene Themenstellungen aus den selben Gebieten wie das Bachelorstudium. Nach der o.g. Rahmenempfehlung sollte der Master-Teil eines konsekutiven Programms den Schwerpunkt auf Wirtschaftsinformatik i.e.S. legen (ca. 50 % des Studienumfangs).

Nicht-konsekutive Master-Programme

Bei einem nicht-konsekutiven Master-Programm wird kein Bachelorstudium in Wirtschaftsinformatik vorausgesetzt. Da ein solches Programm prinzipiell von Absolventen beliebiger Fachrichtungen gewählt werden kann, empfiehlt die WKWI, dass wie im WI-Bachelor die vier Säulen gleichgewichtig verankert sein sollten.

Wirtschaftsinformatik in wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen

Bachelor-Programme

Da die Anfänge der WI-Ausbildung in den 70er Jahren in wirtschaftswissenschaftlichen Diplom-Studiengängen lagen, sind auch in den heutigen Bachelor-Programmen WI-Komponenten auf mehreren Ebenen vorhanden: Das Grundlagenstudium beinhaltet die Breitenausbildung, die alle Studierenden eines wirtschaftswissenschaftlichen Bachelor-Programms durchlaufen. Zum Schwerpunktstudium gehören die Kerninhalte, welche die Studierenden bei einer Schwerpunktsetzung in Wirtschaftsinformatik erlernen. Das Vertiefungs- und Spezialisierungsstudium enthält Themengebiete, die das Schwerpunktstudium erweitern, ergänzen oder teilweise ersetzen.

Die konkrete Ausgestaltung der drei Teile ist von Universität zu Universität unterschiedlich. Hinweise dazu enthält die o.g. Rahmenempfehlung.

Master-Programme

Im Rahmen eines wirtschaftswissenschaftlichen Master-Programms hängt die Ausprägung der Wirtschaftsinformatik-Ausbildung u.a. davon ab, ob dieses als konsekutiv oder eigenständig ausgelegt ist.

Bei einem konsekutiven Master-Programm wird i.d.R. davon ausgegangen, dass das WI- Grundlagenstudium im Bachelor absolviert wurde. Das Lehrangebot im Fach Wirtschaftsinformatik baut dann auf dem Grundlagenstudium und ggf. Schwerpunktstudium auf.

Im Rahmen eines eigenständigen Master-Programms werden je nach Zielgruppe und Spezialisierung u.U. auch WI-Grundlagen gelehrt, da sie anders als bei einem konsekutiven Programm nicht vorausgesetzt werden können.

Wirtschaftsinformatik in Studiengängen der Informatik und anderer Fachrichtungen

In Informatik-Studiengängen trifft man Wirtschaftsinformatik überwiegend in Form eines Wahlpflichtfachs oder Nebenfachs an. Da anders als in einem wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang nicht davon ausgegangen werden kann, dass betriebswirtschaftliche Grundlagen in anderen Teilen des Studiums in ausreichendem Umfang verankert sind, sollten sie nach den Empfehlungen der WKWI im Rahmen des Wahlpflichtfachs oder Nebenfachs ebenfalls vermittelt werden [Fachkommission 2007, S. 324].

Das Gleiche gilt für das Fach Wirtschaftsinformatik im Rahmen anderer Studiengänge (z.B. in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen).

Ausbildungsformen

Das Wirtschaftsinformatik-Studium weist neben Vorlesungen meist einen hohen Anteil an Übungen und Praktika innerhalb und außerhalb der Hochschule auf. Typisch sind Veranstaltungen mit Rechnereinsatz wie Softwarepraktika, Projektseminare, Workshops, Programmierkurse, Übungen in Rechnerpools etc. Projektseminare und Betriebspraktika sind meist vorgesehen, um den Praxisbezug der Ausbildung zu verstärken.

Literatur

Fachkommission Wirtschaftsinformatik : Rahmenempfehlung für die Universitätsausbildung in Wirtschaftsinformatik. In: Wirtschaftsinformatik 49 (2007), Nr. 4, S. 318-326.

Frank, Ulrich : Wirtschaftsinformatik-Studiengänge an Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In: Kurbel, Karl et al. (Hrsg.),  Studienführer Wirtschaftsinformatik 2009-2010. Wiesbaden : Gabler 2009, S. 39-165.

 

Autor


 

Prof. Dr. Karl Kurbel, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Große Scharrnstr. 59, 15230 Frankfurt (Oder)

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Zuletzt bearbeitet: 12.12.2016 13:46
Letzter Abruf: 25.03.2017 20:42
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