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Change Management

Change Management steuert Veränderungsprozesse in Unternehmen. Da technologische Veränderungen immer auch Veränderungen in Strukturen, Prozessen und bisweilen auch Kulturen erfordern, muss die erfolgreiche Einführung von Systemen in Change Management Prozesse eingebettet werden.

Change Management in der Betriebswirtschaftslehre

Begriffsbestimmung

Unter Change Management oder Veränderungsmanagement wird die Steuerung und Gestaltung von geplanten Veränderungsprozessen in Organisationen verstanden [Inversini, 2005, S. 1]. Nach [Thom, 1995, S. 870] umfasst es "alle geplanten, gesteuerten und kontrollierten Veränderungen in den Strukturen, Prozessen und (sofern dies möglich ist) in den Kulturen sozio-ökonomischer Systeme. Ein integriertes und differenziertes Veränderungsmanagement beschäftigt sich u.a. mit Fragen der Organisation des Personalmanagements, der Unternehmensführung sowie der Kommunikation und Information".

Change Management Ansätze

Ansätze des Change Managements lassen sich in zwei große Gruppen einteilen [Inversini, 2005, S. 2 f.]:

  • Organisationsentwicklung: Hierunter fallen die eher sozialwissenschaftlich fundierten Ansätze, die Organisationen als komplexe Systeme betrachten, langfristig ausgerichtet sind und eine hohe Beteiligungs- und Lernorientierung aufweisen.

  • Transformationsmanagement: Hierunter fallen eher technologisch-betriebswirtschaftlich orientierte Ansätze, die eine gezielte und beschleunigende Steuerung von Veränderungsprozesse verfolgen.

Als Beispiel für einen Ansatz, der der Organisationsentwicklung zuzurechnen ist, gilt das auf [Lewin 1947] zurückzuführende und später von [Schein 2004, S. 319-336] verfeinerte Konzept "Auftauen – Ändern – Wiedereinfrieren" (siehe Abbildung 1). Der Ansatz basiert auf der Überlegung, dass grundsätzlich veränderungsfördernde und -hemmende Kräfte wirken, die aus dem Gleichgewicht gebracht werden müssen, um Wandel herbeizuführen, und entsprechend wieder zum Ausgleich kommen sollten, um anschließend erneut Stabilität zu erreichen.

Als Beispiel für einen Ansatz, der dem Transformationsmanagement zuzuordnen ist, lässt sich Business (Process) Reengineering (BPR) [Hammer, Champy, 1993] anführen. Durch fundamentales Überdenken und grundlegende Neugestaltung wichtiger Geschäftsprozesse sollen wesentliche Effizienz- und Effektivitäts-Verbesserungen erzielt werden. Im Vordergrund steht dabei eine fundamentale Neugestaltung, der sich Unternehmen in größeren Zeitabständen unterziehen sollen.

Change Management Abb. 1

 Abb. 1: Lewin-Schein Change Management Ansatz

Change Management im Informationsmanagement

Relevanz und Nutzung

Change Management zählt zu den zentralen Aufgaben des Informationsmanagements, weil technologische Veränderungen immer auch Veränderungen in Strukturen, Prozessen und bisweilen auch Kulturen erfordern. Die erfolgreiche Einführung von Systemen muss folglich in ein organisationales Change Management eingebettet werden.

Dabei kann die Nutzung von Ansätzen aus beiden der oben genannten Bereiche sinnvoll sein. Ansätze der Organisationsentwicklung helfen das Augenmerk auf Betroffene zu richten und sind unverzichtbar, wenn der Erfolg einer Systemeinführung mit kulturellen Veränderungen einhergeht. Als Beispiel können Systemeinführungen im Bereich des Wissensmanagements genannt werden. So zeigen beispielsweise [Heier, Strahringer, 2006] auf, wie der auf Lewin & Schein zurückgehende Ansatz benutzt werden kann, um erfolgreiche Veränderungsprozesse zu erklären. Transformationsorientierte Ansätze kommen insbesondere dann zum Tragen, wenn es sich um Systemeinführungen mit starkem Prozessbezug, z.B. im Falle von Enterprise Resource Planning-Systemen, handelt. So hat beispielsweise [Davenport, 2000, S. 147] den Begriff Enterprise Software-enabled Reengineering geprägt und [Robey, Ross, Boudreau, 2002, S. 35 ff.] sprechen von einem sog. "Concerted Change Process", um die enge Verzahnung von technischer und strategisch-organisatorischer Veränderung zu betonen (siehe auch [Schwarz, 2000, S. 60-72]). Dass sich Ansätze aus beiden Bereichen allerdings nicht ausschließen und dass insbesondere bei transformationsbasierten Ansätzen im Kontext von ERP-Einführungen weiche Faktoren, die in der Organisationsentwicklung stärker zum Tragen kommen, berücksichtigt werden sollten, zeigen zahlreiche Studien zu Erfolgsfaktoren solcher Einführungsprojekte (siehe z.B. die Untersuchung von [Püttgen, Roe, 2005]).

Um der Verschiedenartigkeit von Veränderungsprozessen angemessen Rechnung tragen zu können, schlägt [Baumöl, 2008] einen Ansatz zur situativen Konstruktion der einzusetzenden Change Management Methode vor.

Begriffsabgrenzung

Man beachte, dass im Informationsmanagement der Begriff Change Management doppeldeutig benutzt wird. Im Gegensatz zu der hier verwendeten Begriffsbildung im Sinne eines organisationalen Veränderungsmanagements wird im Kontext des IT-Servicemanagements unter Change Management (Änderungsmanagement) ein systematischer Ansatz verstanden, der auf Basis von Änderungsanforderungen (Change Requests) die notwendigen Anpassungen an Informationssystemen und IT-Infrastruktur in einer nachvollziehbaren und die Konsistenz der Systeme gewährleistenden Form steuert. Basis für ein erfolgreiches Change Management ist in der Regel die Kenntnis der gesamten IT-Infrastruktur und der Abhängigkeiten aller Komponenten untereinander. Dies ist Gegenstand des Konfigurationsmanagements, das daher oft in Verbindung mit Change Management genannt wird.

Literatur

Baumöl, Ulrike: Change Management in Organisationen: Situative Methodenkonstruktion für flexible Veränderungsprozesse. Gabler, Wiesbaden, 2008.

Davenport, Thomas: Mission Critical: Realizing the Promise of Enterprise Systems. Harvard Business School Press : Boston, 2000.

Hammer, Michael; Champy, James: Reengineering the Corporation: A Manifesto for Business Revolution. Harper Business : New York, 1993.

Heier, Hauke ; Strahringer, Susanne: Knowledge Management Systems and Organizational Change Management: The Case of Siemens Sharenet. In: Reimer, Ulrich (Hrsg.) ; Karagiannis, Dimitris (Hrsg.), PAKM 2006, LNAI 4333. Springer : Berlin und Heidelberg, 2006, S. 97-105.

Inversini, Simone: Wirkungsvolles Change Management in Abhängigkeit von situativen Anforderungen. Universität Potsdam, Humanwissenschaftliche Fakultät, Dissertation, 2005.

Lewin, Kurt: Frontiers in Group Dynamics: Concept, Method and Reality in Social Science; Social Equilibria and Social Change. In: Human Relations 1 (1947) Nr. 5, S. 5-41.

Püttgen, Christoph ; Roe, Robert: Change-Management-Praktiken und SAP-Implementierungserfolg: Eine empirische Studie mit SAP-Projektleitern. In: Kohnke, Oliver (Hrsg.) ; Bungard, Walter (Hrsg.), SAP-Einführung mit Change Management. Gabler : Wiesbaden, 2005, S. 143-168.

Robey, Daniel ; Ross, Jeanne ; Boudreau, Marie-Claude: Learning to Implement Enterprise Systems: An Exploratory Study of the Dialectics of Change. In: Journal of Management Information Systems 19 (2002) Nr. 1, S. 17-46.

Schein, Edgar: Organizational Culture and Leadership. 3. Auflage. Jossey-Bass : San Francisco, 2004.

Schwarz, Markus: ERP-Standardsoftware und organisatorischer Wandel: Eine integrative Betrachtung. DUV : Wiesbaden, 2000.

Thom, Norbert: Change Management. In: Corsten, Hans (Hrsg.) ; Reiß, Michael (Hrsg.): Handbuch Unternehmungsführung, Konzepte, Instrumente, Schnittstellen. Gabler : Wiesbaden, 1995, S. 870-879.

 

Autor


 

Prof. Dr. Susanne Strahringer, Technische Universität Dresden, Fakultät Wirtschaftswissenschaften, Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik, insb. Informationssysteme in Industrie und Handel, Helmholtzstr. 10, 01062 Dresden

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Zuletzt bearbeitet: 15.09.2014 14:41
Letzter Abruf: 23.08.2017 00:30
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