Benutzerspezifische Werkzeuge

Kooperationssystem

Unter einem Kooperationssystem wird ein sozio-technisches System mit dem Ziel der Unterstützung der Kommunikation, Koordination und Kooperation von Teams, Communities und sozialen Netzwerken verstanden. Es handelt sich also um die Kombination von Informationstechnologie und organisatorischen Maßnahmen zur Unterstützung von Kooperation.

Bei der Unterstützung von Kooperation werden häufig rechnerbasierte Systeme (wie z.B. Groupware oder Soziale Software) zur Zielerreichung genutzt. Dabei treffen soziale Systeme und technische Systeme zusammen und bilden ein sozio-technisches System. Das sozio-technische System umfasst dann den technischen Teil in Form der Informations- und Kommunikationstechnologie zur Zielerreichung sowie den sozialen und organisatorischen Teil in Form der Personen und Organisationen, welche die technischen Systeme verwenden und bedienen und durch das technische System und seine Teilsysteme kommunizieren und zusammenarbeiten. 

Jede kooperative Umgebung kann dabei ihre spezifischen Anforderungen an die Form und Ausprägung der Kooperation haben. Die folgenden Formen der Interaktion von Individuen in Gruppen werden in der Literatur häufig genannt: Koexistenz, Kommunikation, Koordination, Konsensfindung und Kooperation (siehe z.B. Koch & Gross 2006). 

  • Koexistenz bedeutet die gleichzeitige Präsenz und gegenseitige Information von Benutzerinnen und Benutzern und ist die Vorbedingung für kooperatives Arbeiten. Diese Informationen können wertvolle spontane Kontakte und zufällige Treffen hervorrufen. (Siehe hierzu auch Awareness.)
  • Kommunikation erlaubt es den Benutzerinnen und Benutzern, Ideen auszutauschen und Informationen zu verbreiten. Darüber hinaus können Zustände und Veränderungen mitgeteilt werden, Informationen von einem Arbeitsschritt zum nächsten weitergegeben werden oder Resultate diskutiert werden. 
  • Koordination ist immer dann notwendig, wenn die Benutzerinnen und Benutzer wechselseitige Abhängigkeiten haben. Malone und Crowston (1992) haben die Koordinationsprozess analysiert und verschiedene Komponenten identifiziert wie beispielsweise Ziele, Aktivitäten, Akteure sowie Abhängigkeiten zwischen Aktivitäten. 
  • Konsensfindung bedeutet Entscheidungsfindung in der Gruppe. Sie kann durch explizite Kommunikation und Aushandlung oder durch implizite Annahme von Vorschlägen anderer herbeigeführt werden. 
  • Kooperation stellt schließlich die Zusammenarbeit im engeren Sinne dar. Effektive Zusammenarbeit bedarf oft der gemeinsamen Haltung von Daten mehrerer Akteure. Zu diesem Zweck kann Kooperation gesehen werden als die gemeinsame Haltung und Bearbeitung von Daten. 

Literatur

Koch, M.; Gross, T. (2006): Computer-Supported Cooperative Work - Concepts and Trends. In: Proc. Conf. of the Association Information And Management (AIM), Lecture Notes in Informatics (LNI) P-92, Bonn: Koellen Verlag. 

Malone, T. W.; Crowston, K. (1992): Towards an Interdisciplinary Theory of Coordination. Technical Report CSS TR#120, Cambridge: Center for Coordination Science, Sloan School of Management, Massachusets Institut of Technology.

 

Autor


 

Univ.-Prof. Dr. Michael Koch, Universität der Bundeswehr München, Fakultät für Informatik, Forschungsgruppe Kooperationssysteme, Werner-Heisenberg-Weg 39, 85577 Neubiberg

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Zuletzt bearbeitet: 04.11.2012 20:51
Letzter Abruf: 20.08.2017 23:10
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